Supplement: PRAXiS

Praxisfinanzierung: Praktische Alternativen bei der Existenzgründung

Dtsch Arztebl 2012; 109(39): [14]

Clade, Harald

Foto: picture alliance
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Existenzgründern stehen unterschiedliche Finanzierungsformen und -konzepte offen. Ein Überblick

Gestaltungsfreiraum, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit spielen für viele akademische Heilberufe beim Sprung in die Selbstständigkeit eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ist die Selbstständigkeit geprägt von finanzieller und wirtschaftlicher Verantwortung. Der Arzt wird zum Unternehmer. In dieser Funktion müssen sich Ärzte um die Finanzierung und Rentabilität ihrer Praxis kümmern.

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Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert zum Teil umfangreiche Investitionen. Schließlich müssen die Aufwendungen für medizintechnische Geräte, Praxiseinrichtung, Modernisierungs-, Umbau- oder Baumaßnahmen finanziert werden. Welche Gesamtfinanzierungsvolumina – inklusive Betriebsmittelkredit – hierfür entstehen, hängt von der Art der gewählten Gründungsform ab. Nach einer Existenzgründungsanalyse, die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (Apobank) gemeinsam mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) durchgeführt hat, mussten zum Beispiel Hausärzte 2009/2010 für die Neugründung einer Einzelpraxis in den alten Bundesländern durchschnittlich 117 000 Euro (2008/2009: 124 000 Euro) kalkulieren. In den neuen Bundesländern fielen hierfür durchschnittlich 98 000 Euro an. Die Praxisübernahme schlug mit ungefähr 162 000 Euro in den alten Bundesländern beziehungsweise 113 000 Euro in den neuen Ländern zu Buche. Orthopäden mussten sehr viel mehr in ihre Selbstständigkeit investieren. Eine Einzelpraxisübernahme kostete in den alten Ländern durchschnittlich 379 000 Euro, in den neuen Ländern 195 000 Euro.

Niedriges Zinsniveau spricht für Finanzierung

Gute Gründe sprechen dafür, diese Investitionen mit einer individuell geplanten Finanzierung zu bewerkstelligen und Alternativen auszuloten. „Ein schlagkräftiges Argument ist das aktuelle Zinsniveau, das derzeit auf einem sehr niedrigen Stand liegt“, sagt Frank Sparholz, Bereichsleiter Vertriebs- und Produktmanagement bei der Apobank in Düsseldorf, dem Marktführer im Bereich der Finanzierung von Existenzgründungen und Praxisübernahmen. Die Standesbank hat den Ärzten, Zahnärzten und Apothekern im Jahr 2011 etwa zwei Milliarden Euro Kredite für Investitionen, Existenzgründungen und Übernahmen bereitgestellt. Wer finanziert, ist bei der Wahl der Praxis beziehungsweise der Praxisausstattung unabhängiger. Gleichzeitig bietet die Finanzierung eine feste Kalkulationsbasis; die finanzielle Situation bleibt planbar. Das Finanzierungskonzept orientiert sich an der beruflichen und privaten Situation des Darlehensnehmers. Laufzeit, Sollzinsenbindung und Tilgungsanteile werden individuell vereinbart und berücksichtigen die persönlichen Bedürfnisse.

Maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte

Existenzgründern stehen unterschiedliche Finanzierungsformen und -konzepte offen:

  • Investitionskredite. Für Existenzgründer eignen sich unter anderem Zinszahlungsdarlehen (endfällige Darlehen). Hierbei wird das Darlehen zum Ende der Laufzeit in kompletter Höhe zurückgezahlt. Die Belastung während der Laufzeit beschränkt sich auf die Zahlung der Sollzinsen. Als Tilgungsersatz werden die Ansprüche aus Kapitallebensversicherungen, privaten Rentenversicherungen, Bausparverträgen oder Investmentfonds abgetreten. Diese werden separat bespart und am Ende der Laufzeit zur Rückführung des Darlehens verwendet.

Für den Darlehensnehmer ergeben sich hieraus Vorteile: So sind die Schuldzinsen bei Praxisdarlehen oder Darlehen für vermietete Immobilien steuerlich als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig. Weil diese aufgrund der unveränderten Darlehensvaluta im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen höher sind, entstehen Steuervorteile. Werden die ersparten Tilgungen in eine Anlage (zum Beispiel Investmentfonds) investiert, deren erwartete Rendite über dem Zinssatz des Darlehens liegt, kann dies ebenfalls vorteilhaft sein. Die Konstruktion des Zinszahlungsdarlehens bewirkt zudem, dass die Summe der Zahlungen in das Tilgungsinstrument niedriger sein kann als die zu tilgende Kreditsumme. Dies resultiert aus den über die gesamte Laufzeit erzielten möglichen Wertsteigerungen des Fondsvermögens.

Weitere Finanzierungsarten sind Tilgungs- und Annuitätendarlehen. Bei Tilgungsdarlehen bleibt die Tilgung über die gesamte Darlehenszeit konstant – mit der Folge, dass der finanzielle Freiraum im Laufe der Zeit steigt, weil der auf die Restlaufzeit berechnete Sollzinsenanteil im Zeitverlauf sinkt. Annuitätendarlehen eignen sich bei Finanzierungen, bei denen man eine konstante Ratenzahlung erreichen will. Dies ist in der Regel im privaten Bereich, wie beispielsweise bei der Baufinanzierung, der Fall.

Neben der Kreditvergabe durch die Hausbank ist es empfehlenswert, auch auf öffentliche Förderprogrammkredite – wie sie beispielsweise von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Frankfurt am Main, angeboten werden – zurückzugreifen.

  • Betriebsmittelkredit. Der Betriebsmittelkredit ist ein Kontokorrentkredit, der unter anderem zur Vorfinanzierung der Kosten in der Anlaufphase der Praxis dient. In seiner Eigenart als Kontokorrentkredit muss nur der tatsächlich in Anspruch genommene Betrag – also die Ausnutzung des Kreditlimits – verzinst werden. Zwar liegen die Sollzinsen häufig höher als die eines Investitionskredits, jedoch ist der Betriebsmittelkredit aufgrund seiner hohen Flexibilität häufig wirtschaftlicher und sollte deshalb ergänzend zu einem Investitionskredit eingeplant werden.
  • Ganzheitliches Praxiskonzept. In der Lebensplanung vieler Ärzte spielen neben der eigenen Existenz auch eine auskömmliche Zukunftsvorsorge und eine Immobilie eine wichtige Rolle. Es bietet sich daher an, die Praxisfinanzierung im Rahmen eines „Praxiskonzepts“ in ein ganzheitliches Vorsorge- und Anlagekonzept einzubetten. Hierbei handelt es sich um eine Verknüpfung von Praxisfinanzierung, Immobilienfinanzierung und Altersvorsorge, in deren Rahmen Zinseszinseffekte und steuerliche Effekte optimal genutzt werden. So kann es vorteilhaft sein, ein Zinszahlungsdarlehen über eine (fondsgebundene) Rentenversicherung zu tilgen. Die Tilgung erfolgt über die Ablaufleistung oder einen Rückkaufswert dieser parallel abgeschlossenen Absicherung. In der Ansparphase profitiert der Investor durch die regelmäßigen Einzahlungen vom Zinseszinseffekt. Denn je früher die Einzahlungen beginnen und je länger das Geld „arbeitet“, umso stärker wächst aufgrund der Zinseszinsen das Kapital. Oft ist es daher vorteilhaft, das Praxisdarlehen nicht zu tilgen, sondern zu verlängern. Denn der Guthabenzins liegt bei diesem Konzept deutlich über dem Nettoschuldzins. Es entsteht ein erheblicher Kapitalvorteil. Dieser Betrag kann für die Finanzierung der eigenen Immobilie und/oder für die Altersvorsorge eingesetzt werden.

Erhaltungsinvestitionen genau planen

Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen gerade ältere Arztpraxen investieren. Denn mit den Jahren nehmen der Verschleiß und/oder die Überalterung der medizintechnischen Geräte und Apparaturen zu. Derartige Investitionen sind wichtig, um innovative Behandlungsmöglichkeiten bieten zu können und um den Praxiswert zu sichern. Die Anschaffung von neuen Geräten ist jedoch mit hohen Aufwendungen verbunden.

Apobank-Berater Sparholz empfiehlt: „Wer die (Neu-)Anschaffung von medizintechnischen Geräten plant, sollte im Vorfeld genau kalkulieren: Wie viele Untersuchungen sind jährlich erforderlich, um die Fixkosten des Geräts zu decken? Welcher Gewinn kann durch den Einsatz des Geräts erzielt werden? Und wie rentabel ist die Anschaffung des Geräts?“

Losgelöst von der Rentabilität führt die Apobank bei einer Finanzierung auch eine Liquiditätsplanung durch. Es wird geprüft, ob und wie die für die Investition notwendige Finanzierung realisierbar ist. Werden die neuen Geräte über Kredit finanziert, wirkt sich dies auf das Einkommen und die Liquidität aus. Letztere ist für das Bestehen der Praxis wichtig und darf durch die Finanzierung nicht gefährdet werden. Aufbauend auf der Liquiditätsplanung werden der zu finanzierende Kreditbetrag, die optimale Laufzeit der Zinsbindung und weitere Konditionen festgelegt. Darüber hinaus können für Investitionen auch öffentliche Förderprogrammkredite – wie zum Beispiel der KfW-Unternehmerkredit – genutzt werden. Dieser fördert Investitionen, die im Zuge einer Praxismodernisierung notwendig werden. Dr. rer. pol. Harald Clade

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