ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Postenteritische reaktive Arthritiden und Spondarthritiden

MEDIZIN: Diskussion

Postenteritische reaktive Arthritiden und Spondarthritiden

Krischker, Uwe; Hammer, Michael

Zu dem Beitrag von PD Dr. med. Michael Hammer und Dr. med. Jürgen Wollenhaupt in Heft 41/1995
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LNSLNSLNSLNS Morbus Whipple – Seltene postenteritische Arthritis
Zusätzlich zu den von Hammer und Wollenhaupt in Tabelle 3 ihrer Arbeit aufgeführten Erregern sollte der 1991 erstmals identifizierte Tropheryma whippeli (4) als Erreger der Lipodystrophia intestinalis (3) genannt werden. Die Erkrankung erfüllt alle Kriterien der reaktiven Arthritis/Spondarthritis (1, 2):
1 Der Darm ist Eintrittspforte und primäres Zielorgan;
1 Der Nachweis von Erregerfragmenten im Gelenk ist möglich;
1 Die Arthritis ist "aseptisch";
1 Die Darminfektion verläuft häufig klinisch inapperent;
1 Stuhlkulturen sind bei bestehender Gelenkaffektion negativ;
1 Eine jahrelange Erregerpersistenz in der Darmmukosa ist möglich;
1 Ein regionaler Lymphknotenbefall ist als obligat anzunehmen;
1 Die Bakteriose ist mittels Dünndarmbiopsie nachzuweisen;
1 Ein Immundefekt ist hochwahrscheinlich;
Die Prognose ist ohne Antibiose allerdings infaust, weshalb die Differentialdiagnose bei unklarer, seronegativer Arthritis/Spondarthritis den Morbus Whipple immer einbeziehen sollte.


Literatur
1. Krischker U, Hüge W, Laitko S: Ungewöhnlicher Verlauf einer Lipodystrophia intestinalis (M. Whipple) mit extraintestinaler Organmanifestation, Akt Rheumatol 1992; 17: 27–30
2. Laitko S, Krischker U: Whipples disease – a differential diagnostic challenge, VIIth Eular Symposium, July 1992, Abstr Suppl Brit J of Rheumatology No. 2
3. Whipple G H: A hitherto undescribed disease characterized anatomically by deposits of fat and fatty acids in the intestinal and mesenteric lymphatic tissues. J Hopk Bull 1907; 18: 382–391
4. Wilson K H, Blitchington R, Frothingham R, Wilson J A P: Phylogeny of the Whipples disease-associated bacterium. Lancet 1991; 338: 474–475


Dr. med. Uwe Krischker
Arzt für Innere Medizin
und Rheumatologie
Neersen 52 A 31812 Bad Pyrmont


Schlußwort
Herrn Krischker ist zuzustimmen, wenn er den Morbus Whipple mit dem zu Grunde liegenden Erreger Tropheryma whippeli als den postenteritischen reaktiven Arthritiden ähnliches Krankheitsbild einstuft. So haben wir in der Tabelle 3 nur die häufigsten Gastroenteritis-Erreger mit der Fähigkeit zur Auslösung reaktiver Arthritiden aufgelistet. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den postenteritischen reaktiven Arthritiden und dem Morbus Whipple besteht in der Charakteristik der Gelenkbeteiligung. Die typische reaktive Arthritis ist eine Oligoarthritis oder Monarthritis mit asymmetrischem Befallsmuster und Bevorzugung der unteren Extremitäten, auftretend meist ein bis zwei Wochen nach der Gastroenteritis. Beim Morbus Whipple liegen meistens Arthralgien oder nur blande Arthritiden mit migratorischem Charakter schon Jahre vor einer gastrointestinalen Symptomatik (oder anderen Symptomen dieser systemischen Infektion) vor. Ob der pathogenetische Weg beim Morbus Whipple und den postenteritischen reaktiven Arthritiden vergleichbar ist, läßt sich noch nicht definitiv einschätzen. Hierfür wird noch Forschung zu leisten sein, auf welchem Wege die Distribution des Erregers zu den sekundären Manifestationsorten erfolgt. Weiterhin ist der Morbus Whipple auch wesentlich seltener als die reaktiven postenteritischen Arthritiden und hat kaum epidemiologische Bedeutung. Als mögliches infektiöses "Modell" für die reaktive postenteritische Arthritis kann man den Morbus Whipple allerdings ansehen, und deshalb stimmen wir Herrn Krischker zu, bei unklarer Arthritis mit gastrointestinalen Symptomen den Morbus Whipple in die Differentialdiagnose mit einzubeziehen.


Literatur
1. LeVine ME, Dobbins WO III: Joint Changes in Whipple’s Disease, Semin Arthritis Rheum 1973; 3: 79–93
2. Caughey DE, Bywaters EGL: The Arthritis of Whipple’s Syndrome. Ann Rheum Dis 1963; 22: 327–335


Für die Verfasser:
PD Dr. med. Michael Hammer
Abteilung Rheumatologie
Zentrum Innere Medizin und Dermatologie
Medizinische Hochschule Hannover
Konstanty-Gutschow-Straße 8
30625 Hannover

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