ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2012Parental Alienation: Mit zahlreichen Denkanstößen

BÜCHER

Parental Alienation: Mit zahlreichen Denkanstößen

PP 11, Ausgabe Oktober 2012, Seite 477

Andritzky, Walter

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Beginnend mit dem Fall „Effi Briest“ als ein Parental-Alienation-Syndrome-Schicksal unter den Gesellschaftsbedingungen des 19. Jahrhunderts entwickelt der Autor anhand ausführlicher Fallbeispiele die pathogenen Folgewirkungen der „elterlichen Entfremdung“ als eine Sonderform des emotionalen Missbrauchs bei den betroffenen Kindern wie auch dem von seinem Kind entfremdeten Elternteil.

Das Buch kann Psychotherapeuten für die Pathogenese erwachsener Scheidungskinder sensibilisieren, die mit Selbstwert-, Identitäts- und Beziehungsproblemen imponieren. Es ist aber auch für betroffene Elternteile geeignet, die mit teils psychosomatischen Symptomen oder in suizidalen Krisen nach einem missbräuchlich induzierten Beziehungsabbruch zu ihren Kindern die Praxis aufsuchen.

Anzeige

Die acht Leitsymptome für das „elterliche Entfremdungssyndrom“ werden anhand von Briefen der Betroffenen und transkribierten Interviews veranschaulicht und regen dazu an, die Aufmerksamkeit bei der Erhebung biografischer Anamnesen auf diese bisher vernachlässigten Aspekte zu lenken. Führt die Induktion eines Entfremdungssyndroms beim Kind zu Verwirrung in der Selbst- und Fremdwahrnehmung, zu Überanpassung an den entfremdenden Elternteil, dem es in seiner Abhängigkeit „ausgeliefert“ ist, zu Identitätsdiffusion und einem „falschen Selbst“, so herrschen beim ausgegrenzten Elternteil Gefühle der Ohnmacht vor. Dies besonders dann, wenn seitens Institutionen wie Jugendämtern, Familiengerichten oder selbst „Sachverständigen“ die Manipulation des entfremdenden Elternteils übersehen oder bagatellisiert wird.

Nicht zuletzt bietet das gut lesbare Buch zahlreiche Denkanstöße für Forschungen zur Psychotraumatologie, Psychosomatik und Erwachsenenpsychiatrie. Es immunisiert (Kinder-)Psychotherapeuten, sich von entfremdenden Eltern in Sorge- und Umgangsstreits zu missbräuchlichen Psychotherapien und Attesten instrumentalisieren zu lassen. Ein umfangreicher Anmerkungsapparat gibt einen Überblick über fast 30 Jahre internationale Entfremdungsforschung. Walter Andritzky

Wilfrid von Boch-Galhau: Parental Alienation und Parental Alienation Syndrome/Disorder. Eine ernst zu nehmende Form von psychischer Kindesmisshandlung – mit Fallbeispielen. VWB – Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 2012, 156 Seiten, kartoniert, 16 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema