ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2012Psychische Erkrankungen: Gelungenes Lehrbuch mit interaktivem Portal

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Psychische Erkrankungen: Gelungenes Lehrbuch mit interaktivem Portal

PP 11, Ausgabe Oktober 2012, Seite 475

Hautzinger, Martin

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Wer sich für das Fach Psychiatrie mit seinen vielschichtigen Inhalten, mit den Verbindungen in die Neurobiologie, in die Klinische Psychologie, in die Forschungsmethodik, in die Psychodiagnostik und vor allem zur Psychopharmako- beziehungsweise Psychotherapie begeistern lassen möchte, sollte dieses Lehrbuch zum Studium, zur Prüfungsvorbereitung und eigenen Fortbildung nutzen.

Das besondere Anliegen dieses mehr als 1 000 Seiten umfassenden Werkes ist die Verbindung von Fach- und Expertenmeinung. Dargestellt werden empirisch abgesicherte Befunde, offengelegt Diskrepanzen zwischen Meinungen und Wissen beziehungsweise dem Grad der experimentellen beziehungsweise empirischen Absicherung von Einschätzungen der Kapitelautoren.

Ganz anders als klassische Lehrbücher, die gerne mit historischen und theoretischen Betrachtungen beginnen, eröffnet dieses Lehrbuch das „Feuerwerk“ an ausgezeichnet recherchierten und gestalteten Kapiteln mit einem Bekenntnis zur „evidenzbasierten Medizin“ und den Qualitätskriterien zuverlässiger und gültiger Forschung zum Verständnis psychischer Erkrankungen. Die Leser werden unmittelbar mit den berechtigten und den Erkenntnisgewinn voranbringenden Kriterien guter wissenschaftlicher Praxis konfrontiert. Besonders hilfreich dabei ist die Anwendung der Forschungskriterien auf den klinischen Alltag.

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Der Hauptteil des Lehrbuches befasst sich in 20 abgedruckten und sechs elektronisch zusätzlich verfügbaren Kapiteln mit nahezu allen psychischen Störungen. Dabei ordnen die Herausgeber nicht nach der Häufigkeit der jeweiligen Störungsbilder, sondern folgen den Vorgaben der ICD-10. Sie sprengen jedoch den offiziellen Rahmen, indem sie völlig zu Recht auch der Verbindung von „Depression und metabolischen beziehungsweise kardiovaskulären Erkrankungen“, „Burn-out“, „Stalking“, „Verbitterungsstörung“, „Organisationsdefizitstörungen“ und „frauenspezifischen Aspekten psychischer Störungen“ Raum geben. Die Lehrbuchkapitel sind sehr anschaulich gestaltet, enthalten oft farbige Abbildungen und gelungene Visualisierungen sowie fokussierte, doch gut verständliche Darstellungen aktuellster ätiologischer und therapeutischer Erkenntnisse. Alle störungsbezogenen Kapitel liefern evidenzbasierte Einschätzungen beziehungsweise (soweit vorliegend) aktuelle Leitlinienempfehlungen (S3/NVL) der pharmakologischen und psychologischen Therapie. Ergänzt werden diese Behandlungsempfehlungen durch gelungene Videosequenzen zu einigen Kapiteln.

Über ein Online-Portal besteht außerdem die Möglichkeit, den Herausgebern beziehungsweise den Kapitelautoren Fragen und Kommentare zu schicken, die dann in kurzer Zeit beantwortet werden. Über dieses Portal werden neue Evidenzen, aktuelle Entwicklungen und Veränderungen schnell kommuniziert. Insgesamt eine gelungene Innovation, die die direkte Interaktion zwischen Autoren und Nutzern erlaubt – stimulierende Wissensvermittlung, lebendig gestaltet. Martin Hautzinger

Mathias Berger: Psychische Erkrankungen – Klinik und Therapie. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, München 2012, 1088 Seiten, gebunden, 149 Euro

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