ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Transplantation: Spenderorgane optimal nutzen
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Es wäre wirklich ein Skandal, wenn sich die betreffenden Ärzte für vorgezogene Transplantationen hätten bezahlen lassen. Das wäre kriminell und sollte – unärztlich – mindestens mit dem Entzug der Approbation geahndet werden.

Aber einen Vorwurf der „Körperverletzung mit und ohne Todesfolge“ zu konstruieren, halte ich in der derzeitigen Situation der Transplantation in Deutschland für absurd.

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Denn natürlich liegt zusätzlich zum persönlichen Verhalten der Ärzte ein „systemisches Versagen“ vor.

Die Ursache liegt im extremen Mangel an Spenderorganen, der dazu führt, dass viele Patienten auf der Warteliste sterben müssen, obwohl die medizinische Möglichkeit (nämlich die Organtransplantation) bestehen würde, sie zu retten . . .

Es ist also leider nicht die Frage, ob ein Patient auf der Warteliste stirbt, sondern nur wer.

Aus dieser Sicht des Spenderorganmangels wäre es am wichtigsten, fachlich und organisatorisch dafür zu sorgen, dass Spenderorgane optimal genutzt werden, das heißt dem Patienten transplantiert werden, bei dem die längste Transplantatfunktion zu erwarten wäre, und das muss nicht unbedingt immer der am längsten wartende Patient sein . . .

Die Transplantationsmisere jetzt allein durch weitere Richtlinien und verschärfte Kontrollmechanismen erfolgreich beheben zu wollen, halte ich für eine Illusion. Das bringt für die Ärzte nur weitere bürokratische Belastungen.

Nein, wir benötigen einfach nur mehr Spenderorgane (zum Beispiel durch eine Widerspruchslösung, wie sie in anderen europäischen Ländern praktiziert wird). Die längst medizinisch-wissenschaftlich akzeptierten Kriterien der Toderklärung dürfen nicht immer wieder öffentlich infrage gestellt und die Menschen in ihrer Einstellung zur Organspende verunsichert werden. Weiter muss eine stärkere Zentralisation der Organtransplantation erfolgen (zum Beispiel: Wozu brauchen wir in Deutschland fast 50 Transplantationszentren?).

In einem zentralisierten System sind die fachlichen und organisatorischen Abläufe viel leichter zu überschauen und effektiver zu kontrollieren . . .

Dr. sc. med. Klaus Richter, 12685 Berlin

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