ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Kreditkarten: Trügerischer Guthabenzins

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Kreditkarten: Trügerischer Guthabenzins

Jobst, Peter

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LNSLNS Die "Schlacht" um den deutschen Kreditkartenmarkt ist weitgehend geschlagen: Marktführer bleibt unangefochten – sowohl in Hinblick auf die Zahl der Akzeptanzstellen wie auch auf die Zahl der ausgegebenen Karten – Eurocard, gefolgt von Visa, American Express und Diners Club. Dennoch bemühen sich insbesondere die Anbieter von Eurocard und Visa, mit erweiterten Dienstleistungen "rund um die Karte" neue Kundenkreise zu erschließen.


Interessant als "Parkstation"
So wurde das Angebot weitgehend von vielkritisierten unnötigen Versicherungen "befreit". Gleichzeitig wurden zumindest der Gold-Card interessantere Versicherungen – beispielsweise ein Kfz-Schutzbrief – beigefügt. Daneben sollen die Ausstattung der Karte mit Microchip und die Zulassung zum "Connect-Service" der Telekom den Karteneinsatz auch beim nationalen und internationalen Telefonieren populär machen.
Noch neu in der Eurocard-Organisation ist das Angebot einiger Emittenten, ein Guthaben auf dem Kartenkonto zu verzinsen. Bei Visa besteht diese Möglichkeit schon länger. Zwischen 2,0 und über 3,5 Prozent bieten verschiedene Banken und Sparkassen, wenn Kunden mehr auf das Kartenkonto einzahlen als in der Rechnung ausgewiesen. Interessant ist eine solche Guthabenverzinsung auf dem Kartenkonto insbesondere für Bankkunden, die kurzzeitig größere Beträge "zwischenparken" wollen, zum Beispiel im Zusammenhang mit einer laufenden Immobilienfinanzierung. Werden beispielsweise 100 000 DM einen Monat lang auf dem Kartenkonto vorgehalten, winken schnell zwischen 200 und 350 DM Zinsen – und das ohne jegliches Risiko, wie es etwa bei Geldmarktfonds zu bedenken ist.
Hingegen rechnet sich die Guthabenverzinsung bei niedrigeren Beträgen kaum. Karteninhaber, die beispielsweise durchschnittlich 1 000 DM auf dem Kartenkonto deponiert haben, erhalten bei den meisten Banken heute nur ein bis zwei DM pro Monat gutgeschrieben – also einen Betrag, der nicht einmal die Kartengebühr abdeckt. Ohne Freistellungsauftrag reduziert sich die Gutschrift nochmals. Ein schwacher Trost ist es in diesem Zusammenhang, daß Bargeldauszahlungen aus einem Guthaben meist billiger sind als von einem debitorisch geführten Kartenkonto: Schließlich berechnet die Hausbank für Guthabenverfügungen vom Giro- oder Anlagekonto im Regelfall überhaupt keine Gebühren, so daß allenfalls bei teuren Verfügungen im Ausland ein gewisser Vorteil zu erkennen ist.
Zudem verzichten Karteninhaber bei einer Guthabenhaltung auf den Effekt der verspäteten Abrechnung. Üblicherweise werden dem Karteninhaber alle Kreditkartenzahlungen in Form einer monatlichen Sammelabrechnung berechnet, so daß zwischen Zahlung und Abbuchung vom Girokonto schnell zwischen drei und acht Wochen vergehen können. Auch bei Guthabenkonten gibt es zwar eine Sammelabrechnung. Jedoch endet die Verzinsung des jeweiligen Betrags mit dem Tag der Belastung bei der Kartengesellschaft.


Besser eine Zweitkarte
Besonders ärgerlich wird es, wenn dann auch noch notwendige Mindestguthaben unterschritten werden. Hat ein Karteninhaber beispielsweise bei der Commerzbank 20 000 DM auf sein Kartenkonto überwiesen und bezahlt er lediglich ein Mittagessen für 100 DM per Karte, sinkt die Verzinsung für das restliche Guthaben um rund ein Drittel.
Schlußfolgerung: Wenn ein Karteninhaber – aus welchen Gründen auch immer – auf dem Kartenkonto größere Beträge anlegt, sollte er sein Plastikgeld so selten wie möglich einsetzen und gegebenenfalls auf eine Zweitkarte zurückgreifen, die über eine eigene Nummer abgerechnet wird. In keinem Fall ist das Kartenkonto als Daueranlage geeignet: Die heute gebotenen Zinssätze sind im Vergleich zu anderen Anlagen – beispielsweise Finanzierungsschätzen des Bundes – deutlich zu niedrig, selbst wenn keinerlei Kursrisiken bestehen. Peter Jobst

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