ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Katarakt im Kindesalter: Bei den meisten Patienten ist der Visus nach OP gut

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Katarakt im Kindesalter: Bei den meisten Patienten ist der Visus nach OP gut

Dtsch Arztebl 2012; 109(41): A-2040 / B-1662 / C-1632

Gerste, Ronald D.

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Die kongenitale Katarakt tritt etwa zweimal auf 10 000 Geburten auf und erfordert häufig eine operative Entfernung der getrübten Linse. Vor allem bei einseitiger visusrelevanter Katarakt ist diese meist frühzeitig indiziert, da diese Augen von einer Amblyopie bedroht sind.

Eine vom Patientenkollektiv ungewöhnlich große kanadische Studie hat die Erfolgsraten und die Häufigkeit von Reoperationen bei 778 Kindern evaluiert, die im Laufe von 10 Jahren am Hospital for Sick Children in Toronto betreut worden waren. Bei 828 Patienten (74 %) wurde die Katarakt operiert; bei den übrigen wurde die Linsentrübung nicht als funktionell bedenklich eingestuft, meist bei Fällen von hinterem Polstar, einer sehr begrenzten Trübung. Die Ophthalmochirurgen implantierten grundsätzlich keine Intraokularlinse (IOL) bei Kindern unter 18 Monaten, bei Kindern zwischen 18 und 24 Monaten wurde nur unter bestimmten Umständen eine IOL eingesetzt. Das Durchschnittsalter zum Operationszeitpunkt lag bei 55 Monaten.

Eine zusätzliche Operation war bei 102 Augen (12 %) vonnöten; von diesen waren 54 % pseudophak (= mit einer IOL ausgestattet). Die häufigste Indikation war eine sekundäre Trübung in der optischen Achse, welche insgesamt bei pseudophaken Augen mit 13 % wesentlich öfter auftrat als bei aphaken (linsenlosen) Augen mit 4 %. Umgekehrt entwickelte sich ein Glaukom bei aphaken Augen (12 %) häufiger als bei pseudophaken Augen (1 %). Die Gesamtprävalenz eines postoperativen Glaukoms erscheint mit 10 % recht hoch. Allerdings hatte etwas mehr als die Hälfte dieser Kinder bereits vor dem Eingriff einen erhöhten Augendruck – nicht selten, weil Katarakt und Glaukom zusammen als Teil eines komplexeren Krankheitsgeschehens vorlagen (Sturge-Weber, Neurofibromatose, Vorderabschnittsdysgenesie). Einen Visus von 20/30 oder besser hatten circa 75 % der bilateral pseudophaken und der bilateral aphaken Patienten; bei einseitig pseudophaken wurde ein solch positives funktionelles Ergebnis in 63 % der Fälle erzielt. Einseitig aphake Patienten kamen nur in 45 % auf einen Visus von 20/30 und besser.

Fazit: Das visuelle Ergebnis nach der Operation pädiatrischer Katarakte wird für die meisten Patienten als „gut“ bezeichnet. Die Ausnahme bleiben einseitig aphake Kinder, die wesentlich früher operiert wurden als andere Patienten in der Kohorte. Sie haben ein siebenfach erhöhtes Glaukomrisiko im Vergleich zu Patienten, die im Alter von mindestens neun Monaten wegen eines Katarakts operiert worden waren. Die kanadischen Operateure sind indes mit der Indikation zur IOL-Implantation (grundsätzlich erst im Alter ab 2 Jahren) vergleichsweise konservativ. Eine Studie mit einem kleineren Patientenkollektiv hatte kürzlich bei Kindern, die bereits im ersten Lebenshalbjahr mit einer IOL versorgt worden waren, eine akzeptable Komplikations- und Reoperationsrate gefunden (Dtsch Arztebl 2012; 109[8]: A 374).

Dr. med. Ronald D. Gerste

Lim Z, Rubab S, Chan Y, et al.: Management and outcomes of cataract in children: The Toronto experience. J AAPOS 2012; 16: 249–54. MEDLINE

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