ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Deutscher Hausärzteverband: Keine „Unverschämtheiten“

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Deutscher Hausärzteverband: Keine „Unverschämtheiten“

Dtsch Arztebl 2012; 109(41): A-2018 / B-1646 / C-1617

Rieser, Sabine

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„Erfuhren wir Solidarität, als es darum ging, möglichst gute Ergebnisse für die hausärztlichen Kollegen zu erreichen?“ Ulrich Weigeldt, HÄV-Bundesvorsitzender. Foto: Georg J. Lopata
„Erfuhren wir Solidarität, als es darum ging, möglichst gute Ergebnisse für die hausärztlichen Kollegen zu erreichen?“ Ulrich Weigeldt, HÄV-Bundesvorsitzender. Foto: Georg J. Lopata

Der Deutsche Hausärzteverband sieht Ärzteproteste wegen des Honorarstreits differenziert. Zu wenig Unterstützung der fachärztlichen Kollegen lässt er sich aber nicht vorwerfen.

Mangelnde Solidarität im Honorarstreit? Dagegen hatte sich Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands (HÄV), bereits im verbandseigenen Blatt „Der Hausarzt“ gewehrt: „Solange es notwendig ist, werden wir für ausreichende Honorare im Kollektivvertrag kämpfen – ohne das Ziel der Tarifautonomie in freien Verträgen aus den Augen zu verlieren.“ Diese Position vertrat er erneut Ende September bei der Delegiertenversammlung des HÄV, als er auf den Streit zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Spitzenverband Bund der Krankenkassen und die Position des Verbands zu Protesten einging.

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Weigeldt verwies darauf, dass man die Hausärzte schon häufiger mit diesem Vorwurf konfrontiert habe. Umgekehrt hätten sie keine Unterstützung erhalten, als sie für die hausarztzentrierte Versorgung kämpften: „Erfuhren wir Solidarität, als es darum ging, die Verschlechterung zu verhindern? Als es darum ging, in den Schiedsverfahren möglichst gute Ergebnisse für die hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen zu erreichen?“

Selektivverträge schützen

Gleichwohl stellte Weigeldt klar, dass man auf „Unverschämtheiten“ des Spitzenverbands der Krankenkassen antworten müsse. Allerdings habe sich gut ein Drittel aller in der hausärztlichen Versorgung tätigen Kollegen in Hausarztverträge eingeschrieben. Sie sollten ihre hart erkämpften Vertragsbedingungen nicht für mehr Honorar aufs Spiel setzen, das dann wieder allen im System der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zugutekomme.

Sichere und angemessene Honorare für Hausärzte seien dauerhaft „nur durch eine konsequente Loslösung vom Sicherstellungsauftrag und damit dem Kollektivvertrag zu erreichen“, ergänzte der HÄV-Bundesvorsitzende. Er gab darüber hinaus zu bedenken, im Streit um mehr Honorar würden Protestaktionen der Ärzte am Ende sicher Wirkung zeigen. Nur: „Dann werden wir feststellen, dass die eigentlichen Probleme nicht gelöst sind. Vor allem Hausärzte werden feststellen, dass ihr Beruf immer noch belastet wird von bürokratischen Bestrafungen und einer der zunehmenden Verantwortung in einer älter werdenden Gesellschaft nicht adäquaten Vergütung.“

Der Verband hat für 2013 eine Honorarerhöhung von mindestens fünf Prozent für die Kollegen gefordert. In Bundesländern, in denen ihr Einkommen unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt, sollen es mindestens zehn Prozent sein. Dazu soll ein Sicherstellungsfonds mit einer Milliarde Euro zur Verfügung stehen für Landärzte in unterversorgten Regionen.

An Weigeldts Rede schloss sich eine längere Diskussion an. Der HÄV hatte als Neuerung Vertreter der KBV und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zum Debattieren eingeladen. Dipl.-Med. Regina Feldmann, KBV-Vorstand, stellte klar: „Wir sind Hausärzte, wir müssen egal an welcher Stelle versuchen, das Beste für die Hausärzte zu erreichen.“ Die Allgemeinmedizinerin appellierte an den Verband, mit Kammern und KVen etwas für den Nachwuchs zu tun. Denn die Gebietsanerkennungen im Fach Allgemeinmedizin seien von etwa 5 000 im Jahr 1995 auf etwa 1 200 im Jahr 2011 zurückgegangen.

Auch Dr. med. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Ärztekammer und in diversen Gremien der BÄK tätig, bot den hausärztlichen Kollegen noch mehr Zusammenarbeit an. Man könne sich beispielsweise enger abstimmen, um gute praxisbezogene Fortbildung anzubieten. Kaplan berichtete zudem, man berate derzeit in allen Fachgebieten über eine Stärkung der ambulanten Weiterbildung. Der BÄK-Vizepräsident verwies auch auf den zurückliegenden Deutschen Ärztetag. Dieser hatte ein Positionspapier zur künftigen Rolle des Hausarztes verabschiedet, dessen Inhalte BÄK, HÄV und Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin erarbeitet hatten.

Debatte um Geriatrie-Zusatz

Zum richtigen Verhältnis von Hausarztverbänden und KVen in den Ländern vertraten die Delegierten unterschiedliche Positionen. Uneinig waren sie sich auch über Zusatzqualifikationen für Hausärzte. Einige lobten beispielsweise das geplante BÄK-Fortbildungscurriculum „Geriatrische Grundversorgung“ und befanden, man könne solche Zusatzqualifikationen nicht nur Fachärzten zugestehen. Andere störte eine mögliche Zersplitterung des Berufs durch zu viele Subspezialisierungen. Man habe eine einzige Identität als Hausarzt und sei kein Zehnkämpfer, hieß es.

Geschlossen stimmten die Delegierten unter anderem dafür, beim Bundesvorstand einen Ausschuss „Pädiatrische Versorgung“ einzurichten. Zudem forderten sie den Gesetzgeber auf, noch in dieser Legislaturperiode die Grundlage zu schaffen, damit Medizinische Versorgungszentren allein mit Hausärzten gegründet werden können.

Sabine Rieser

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