ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Informationen für Patienten: Keine Angst vor Zahlen

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Informationen für Patienten: Keine Angst vor Zahlen

Dtsch Arztebl 2012; 109(41): A-2030 / B-1656 / C-1626

Protschka, Johanna

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Der IQWiG-Patiententag klärte darüber auf, wie man mit Informationen aus dem Internet umgeht.

Zunehmend suchen Menschen bei körperlichen und seelischen Beschwerden im Internet nach Informationen und müssen sich dabei durch ein Dickicht von Angeboten klicken. Die Websites sind zuweilen mit einer Fülle an „vermeintlich“ neuesten Erkenntnissen zu Krankheitsbildern bestückt und halten zum Teil sogar statistische Zahlen zum Thema bereit. Doch wie verlässlich sind solche Zahlen? Und welche Schlüsse kann man aus diesen für sich selbst ziehen? „Zahlen sind wichtig und Sie können uns helfen, Entscheidungen zu treffen“, sagte die TV-Moderatorin und promovierte Biologin Dr. Ulrike Brandt-Bohne während des Patiententages des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Ende September in Köln dazu. „Doch es müssen in jedem Fall gute Zahlen, also verlässliche Zahlen sein.“ Die Quellen der Studien sollten nachvollziehbar und seriös sein. Knapp hundert Interessierten erläuterte Brandt-Bohne den Unterschied zwischen Daten, die auf reiner Beobachtung fußen, und Daten, die aus randomisierten kontrollierten Studien gewonnen werden und wissenschaftlichen Standards entsprechen. Gute Aussagen würden in der Regel durch Experimente gestützt.

Das IQWiG bietet hochwertige Inhalte im Internet

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Die Veranstaltung versuchte, die Besucher auch für die Angemessenheit einer Therapie zu sensibilisieren. Dabei spiele der Unterschied zwischen relativen und absoluten Zahlen eine Rolle. Wenn beispielsweise bei einer normnahen Blutzuckersenkung 3,6 Prozent der Probanden einer Studie einen Herzinfarkt erlitten, bei einer weniger strengen Blutzuckersenkung dagegen 4,6 Prozent, dann bedeute dies in relativen Zahlen einen Unterschied von 22 Prozent, in absoluten Zahlen mache die Differenz jedoch nur einen Prozentpunkt aus – das höre sich gleich anders an. Zahlen könnten positiver ausgedrückt werden, als sie es vielleicht tatsächlich seien. Die Entscheidung einer Therapie sollte idealerweise zusammen mit dem Arzt auf Basis einer individuellen Risikoeinschätzung erfolgen, erklärte Brandt-Bohne. Sich allein auf Ergebnisse von Studien zu stützen, sei schwierig.

Was sollte ein Patient aber grundsätzlich tun, wenn er im Internet auf seine Frage Hunderte Antworten findet, die zudem auch noch widersprüchlich sind? Dr. med. Andreas Waltering, der stellvertretende Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation für die Öffentlichkeit beim IQWiG, empfiehlt, einen kritischen Blick auf die Angebote zu werfen. „Stellen Sie sich immer die Frage: Geht es hier vielleicht um geschönte Fakten oder sogar schlichtweg um Werbung?“ Höchste Vorsicht gelte auch bei Heilungsversprechen oder Angeboten, die eine nebenwirkungsfreie Therapie versprechen. Das Impressum der Websites sollte konkrete Angaben zum Anbieter der Dienste und bestenfalls Informationen zu den Autoren und deren Funktion selbst liefern.

Das IQWiG betreibt seit circa sechs Jahren die Internetseite www.gesundheitsinformation.de. Die Seite richtet sich an die Öffentlichkeit, ist werbefrei und stützt sich auf die aktuellsten Forschungsergebnisse zu den jeweiligen Krankheitsbildern. Der Patiententag sollte auch auf die qualitativ hochwertigen Inhalte dieses Webangebots aufmerksam machen. Die Anzahl der Seitenaufrufe im Internet sei durchaus noch „ausbaufähig“, bemerkte Waltering dazu.

Johanna Protschka

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