POLITIK

Christliche Krankenhäuser: Gemeinsam mehr erreichen

Dtsch Arztebl 2012; 109(41): A-2020 / B-1647 / C-1620

Flintrop, Jens

Christliches Profil als Chance. Mit ihrem Wertefundament können sich die kirchlichen Krankenhäuser in Zeiten des Pflegekräfte- und Ärztemangels als attraktive Arbeitgeber positionieren. Foto: vario images
Christliches Profil als Chance. Mit ihrem Werte­fundament können sich die kirchlichen Kranken­häuser in Zeiten des Pflege­kräfte- und Ärzte­mangels als attraktive Arbeit­geber positionieren. Foto: vario images

Eine Prognos-Studie bescheinigt den kirchlichen Krankenhäusern gute Zukunftschancen, wenn sie sich offener zeigen für verbindliche Kooperationen und Verbünde – auch konfessionsübergreifend.

Diese kleine Spitze zu einem der feinen Unterschiede zwischen den Konfessionen kann sich Bernd Weber dann doch nicht verkneifen: „Als Protestant weiß ich, dass ich früher oder später auf jeden Fall ins Paradies komme. Sie, liebe Christa Garvert, müssen erst noch zusehen, wie Sie das Fegefeuer überstehen“, witzelt der Gründer des evangelischen Krankenhausverbunds Agaplesion in Richtung seiner Vorrednerin, der Geschäftsführerin der katholischen Krankenhausgruppe Marienhaus. Im Tagungszentrum der Katholischen Akademie in Berlin macht sich ein befreiendes Lachen breit. Etwaige Sorgen, die erste gemeinsame Tagung des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbands und des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland könnte eine verkrampfte Angelegenheit werden, sind spätestens jetzt verflogen.

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Um in der Politik mehr Gehör zu finden, wollen der evangelische und der katholische Krankenhausverband künftig regelmäßig gemeinsame Sache machen und diese Aktivitäten unter der neuen Dachmarke „Christliche Krankenhäuser in Deutschland“ bündeln. So präsentieren sie zur Tagung eine von ihnen gemeinsam beauftragte Studie zu den Herausforderungen der christlichen Krankenhäuser. Dafür hatte die Prognos AG im Frühjahr 121 Geschäftsführer interviewt.

Gute Aus- und Weiterbildung

„Die Verfügbarkeit von Personal und Kapital wird entscheidend sein, um im Verdrängungswettbewerb bestehen zu können“, sagte Prognos-Mitarbeiter Michael Steiner, der die Studienergebnisse vorstellte.

Was den Fachkräftemangel angeht, so sieht die Studie die christlichen Krankenhäuser in einer guten Ausgangsposition. Die berufliche Ausbildung junger Menschen sei ihnen von jeher ein zentrales Anliegen. Die vielen Berufe, die in den Kliniken ausgebildet werden, seien ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Mit ihrem Wertefundament könnten sich die evangelischen und katholischen Krankenhäuser zudem als attraktive Arbeitgeber gegenüber den Mitbewerbern positionieren. Auch die Facharztweiterbildung in den kirchlichen Krankenhäusern sei oft vorbildlich: strukturiert und hochwertig, wie es die Weiterbildungsordnungen forderten.

Kritisch bewertet die Prognos AG hingegen die Investitionsfähigkeit und die Kapitalkraft der kirchlichen Krankenhäuser: „Das ist eindeutig ihre Achillesferse“, unterstrich Steiner. Dabei gewinnt eben besonders Kapitalkraft an Bedeutung, weil die Länder ihren Investitionsverpflichtungen kaum noch nachkommen. Investitionen in die technische Ausstattung sind heute fast nur noch über die Innenfinanzierung der Träger und mit Fremdkapital möglich. Hier seien die privaten Träger klar im Vorteil, heißt es in der Studie: „Die kirchlichen Häuser müssen sich weitere innovative Finanzkonzepte erschließen, um ihre starke Marktposition – jedes dritte Krankenhaus wird noch konfessionell geführt – verteidigen zu können.“ Anderenfalls wachse die Gefahr, Wettbewerbsnachteile durch Mängel in der technischen Ausstattung oder auch in der Servicequalität verbuchen zu müssen.

Geringe Investitionskraft

Eine wichtige Rolle für Kreditkonditionen am Kapitalmarkt und somit für die Investitionskraft eines Krankenhauses spielt daneben die Betriebsgröße. Auch bei der Personalgewinnung und -bindung haben größere Einheiten, entstanden durch verbindliche Kooperationslösungen oder durch Verbundbildungen, erhebliche Vorteile. Steiner: „Im Verbund kann ich zum Beispiel die gesamte Facharztweiterbildung garantieren und dem Arzt auch langfristig mehr Karriereoptionen im Unternehmen anbieten.“

Die christlichen Häuser sind hier aber noch eher zurückhaltend, wie die Studie zeigt. Zwar sind sich die Geschäftsführungen einig, dass sich die durchschnittliche Verbundgröße von derzeit 2,3 Krankenhäusern je kirchlichen Träger bis zum Jahr 2020 deutlich erhöhen wird. Aber nur die Hälfte erwartet, dass die eigene Einrichtung in einen größeren Verbund integriert wird. Dies müsse sich ändern, schloss Steiner: „Nur wenn die kirchlichen Häuser ihre Zurückhaltung zur verbindlichen Kooperation und Verbundbildung aufgegeben und dabei auch die Hindernisse, die ökumenischen Verbünden zurzeit noch im Wege stehen, überwinden, sind sie langfristig wettbewerbsfähig.“

Jens Flintrop

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