ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Pharmaindustrie: Leise Dienstleister

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Pharmaindustrie: Leise Dienstleister

Dtsch Arztebl 2012; 109(41): A-2053

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Immer mehr Pharmakonzerne lassen ihre Produkte durch Fremdfirmen herstellen.

Von der Öffentlichkeit allgemein wenig wahrgenommen, gewinnt der Geschäftsbereich der Auftragsherstellung in der pharmazeutischen Industrie seit Jahren zunehmend an Bedeutung. Dies zeigt das Beispiel der Haupt-Pharma AG, die inzwischen mehr als 500 Wirkstoffe produziert und etwa 1 500 unterschiedliche Präparate in gängigen Darreichungs- und Verpackungsformen herstellt. Das Unternehmen fertigt für mehr als 200 Pharmaunternehmen, beschäftigt mehr als 2 000 Mitarbeiter und erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von circa 280 Millionen Euro. Diese Zahlen gab Dr. Karl Heinz Brücher, Chief Operating Officer der Haupt-Pharma AG, in Frankfurt/Main bekannt.

Es begann 1937 in Berlin . . .

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Angefangen hat alles sehr einfach: Unternehmensgründer Heinz Haupt produzierte die ersten Medikamente im Kundenauftrag im Jahr 1937 in den Räumen einer ehemaligen Kegelbahn in Berlin. Inzwischen hat sich Haupt-Pharma zu einem der fünf führenden europäischen Unternehmen der Branche entwickelt. Gefertigt werden neben konventionellen Wirkstoffen vor allem Spezialprodukte wie Zytostatika, Hormone, Betalaktamantibiotika und Narkotika. Davon abgesehen wird jedoch ein „Vollservice“ angeboten, die Dienstleistungen reichen von der pharmazeutischen Entwicklung der Darreichungsform über die Materialbeschaffung, Produktion und Verpackung bis hin zur Logistik und Distribution.

Immer mehr Anbieter pharmazeutischer Produkte nehmen das Angebot der Auftragsherstellung wahr, was Brücher zufolge nicht zuletzt den Veränderungen im Markt und vor allem der zunehmenden Globalisierung, neuer Gesetzgebungen und dem immer härter werdenden Wettbewerbsdruck in der Pharmabranche geschuldet ist. „Durch das Outsourcing lassen sich mangelnde Kapazitäten kompensieren und Fixkosten reduzieren“, sagte Brücher.

. . . heute ein Global Player

Von der Rezepturentwicklung über die Organisation klinischer Prüfungen bis hin zur Herstellung und Verpackung inklusive der Qualitätskontrolle und Marktfreigabe können alle Bereiche der Wertschöpfungskette bei der Arzneimittelherstellung „nach außen“ verlagert werden. Von der früheren „Lohnanstalt für pharmazeutische Spezialitäten“ sind die Auftragsfertiger damit zu global agierenden Unternehmen mit „Vollservice“ bei der Arzneimittelproduktion geworden. „Wir sind allerdings leise Dienstleister der Pharmaindustrie geblieben“, erklärte Brücher.

Haupt-Pharma ist nach seinen Angaben durch strategische Akquisen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Das Unternehmen ist international tätig mit Produktionsstandorten in Deutschland, Italien, Frankreich und Japan, wobei an vier Standorten sogar eigene Entwicklungsabteilungen unterhalten werden. Vier Werke – in Münster, Berlin, Wülfing/Gronau und Wolfratshausen – wurden in diesem Jahr durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration zertifiziert. Damit haben sechs Produktionsstätten des Unternehmens nunmehr die Erlaubnis, auch Medikamente für den Markt in den USA herzustellen. „Darauf sind wir sehr stolz“, berichtete Dietmar Rohleder als Chief Financial Officer des Unternehmens in Frankfurt. CV

Quelle: Pressekonferenz „Wirtschaftssektor Auftragsherstellung – Die „leisen“ Dienstleister in der Pharmaindustrie“ anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums von Haupt-Pharma in Frankfurt/Main.

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