ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2012Randnotiz: Langes Leben kostet eben
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Männer leben riskanter und sie sterben, statistisch gesehen, circa fünf Jahre früher als Frauen. Ein Aspekt, dem es die Männer zu verdanken haben, dass sie bisher zu günstigeren Tarifen als die Frauen eine private Krankenversicherung abschließen konnten. Nach dem Motto: Wer früher stirbt, läuft länger günstig. Während für die Frauen galt: Langes Leben kostet eben.

Der Europäische Gerichtshof findet diese Regelung aber gar nicht gerecht und zwingt deshalb die Versicherer per Gerichtsurteil, ab dem 21. Dezember 2012 Tarife anzubieten, die die Frauen nicht diskriminieren. „Unisex-Tarife“ sollen die Lösung sein.

Die Einführung geschlechtsneutraler Verträge lässt zunächst erwarten, dass Neukundinnen weniger zahlen und Neukunden zugunsten der Frauen einen etwas höheren Beitrag als bisher leisten. Man könnte sich ja einfach in der Mitte treffen. Realistischer ist jedoch, dass die Höhe der Tarife einfach näher an den bisherigen Frauentarifen liegt. Denn die bereits abgeschlossenen Verträge bleiben zwar bestehen, doch viele Altkundinnen werden sicher in den günstigeren Tarif wechseln. Für Männer, die bereits einen günstigeren „Alttarif“ haben, gibt es hingegen keinen Anlass zu wechseln. Das Problem, das dabei entsteht: In den Unisex-Tarifen werden sich mehr „langlebige“ und deshalb teurere Frauen tummeln als „kurzlebige“ und günstigere Männer. Eine schöne Rechenaufgabe für die Versicherungen: Für die Frauen wird es in der Konsequenz einfach nicht so günstig wie erwartet, und die männlichen Neukunden dürfen auch kräftig draufzahlen. Das ist dann für Männer und Frauen wenig erfreulich.

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