ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2012Fehlende differenzialdiagnostische Aspekte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das akute Abdomen erfordert eine Notfallbehandlung einschließlich einer Notfalldiagnostik. In der Einführung der vorliegenden Übersichtsarbeit wird erwähnt, dass „nur bei ca. 1 % aller Patienten mit akutem Abdomen eine AMI vorliegt, bei über 70-Jährigen in bis zu 10 % eine AMI ursächlich“ sein kann, ohne dass auf differenzialdiagnostische Aspekte eingegangen wird.

Zu einer vergleichbaren Symptomatik führt das intestinale Angioödem mit massiven Schwellungen der Mukosa, das sicherlich nicht häufiger, aber auch nicht seltener vorzukommen scheint.

Das intestinale Angioödem kann sowohl allergisch ausgelöst werden als auch durch die Einnahme von Angiotensin-Converting-Enzym-Inhibitoren und Angiotensin-II-Rezeptorenblockern (zahlreiche Fälle in der medizinisch-wissenschaftlichen Literatur dokumentiert) oder durch die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika provoziert werden. Ein Einzelfall nach Einnahme eines Kalziumantagonisten wurde ebenfalls beschrieben (1).

Das hereditäre Angioödem (HAE, Synthesedefekt des C1-INH), das Angioödem mit normaler C1-Esterase-Inhibitor-Konzentration, aber funktioneller Insuffizienz und das Angioödem auf der Basis eines erworbenen C1-Esterase-Inhibitor-Mangels (acquired angioedema, AA) sowie das idiopathische Angioödem müssen ebenfalls in die differenzialdiagnostische Abklärung einbezogen werden. Während bereits die Anamneseerhebung (Eigen-/Familien-/Medikamentenanamnese) einen Hinweis auf ein medikamentös, diätetisch oder hereditär verursachtes intestinales Angioödem geben und unnötige explorative Laparatomien verhindern kann, ist zur Absicherung des hereditären Angioödems sowie bei den anderen Formen eine spezifische Labordiagnostik notwendig.

Diese sollte bei klinischem Verdacht die immunologische Bestimmung des C1-INH, die funktionelle Bestimmung des C1-INH, die Bestimmung von C1, C2, C4, CH50 und gegebenenfalls die Bestimmung von Autoantikörpern gegen C1-INH umfassen (2).

Neben dem bekannten Ursachenspektrum eines akuten Abdomens wäre die Aufnahme des intestinalen Angioödems zur Abgrenzung gegenüber vaskulär-ischämischen Ursachen differenzialdiagnostisch wohl erwähnenswert.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0709b

Dr. med. Karla Lehmann

Eibau OT Walddorf

Karla.Lehmann@t-online.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Turcu AF, White JA, Kulaga ME, Skluth M, Gruss CB: Calcium channel blocker-associated small bowel angioedema. J Clin Gastroenterol 2009; 43: 338–41 CrossRef MEDLINE
2.
Bork K: Rezidivierende Angioödeme durch C1-Inhibitor-Mangel. Dtsch Arztebl 1997; 94(12): A 726 VOLLTEXT
3.
Klar E, Rahmanian PB, Bücker A, Hauenstein K, Jauch KW, Luther B: Acute mesenteric ischemia: a vascular emergency. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(14): 249–56. VOLLTEXT
1.Turcu AF, White JA, Kulaga ME, Skluth M, Gruss CB: Calcium channel blocker-associated small bowel angioedema. J Clin Gastroenterol 2009; 43: 338–41 CrossRef MEDLINE
2.Bork K: Rezidivierende Angioödeme durch C1-Inhibitor-Mangel. Dtsch Arztebl 1997; 94(12): A 726 VOLLTEXT
3.Klar E, Rahmanian PB, Bücker A, Hauenstein K, Jauch KW, Luther B: Acute mesenteric ischemia: a vascular emergency. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(14): 249–56. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige