ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2012Rektumkarzinom: Oxaliplatin präoperativ verbessert das Ansprechen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rektumkarzinom: Oxaliplatin präoperativ verbessert das Ansprechen

Dtsch Arztebl 2012; 109(42): A-2087 / B-1702 / C-1670

Gulden, Josef

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Zum Therapiestandard beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom gehören heute eine präoperative Radiochemotherapie mit 5-Fluorouracil (5-FU), eine totale mesorektale Exzision und eine adjuvante 5-FU-Chemotherapie. Weil Fernmetastasen nach wie vor der Hauptgrund für ein Versagen der Therapie sind, testeten mehrere deutsche onkologische Studiengruppen in einer industrieunabhängigen Studie nun die Ergänzung der Chemo(radio)therapie durch Oxaliplatin. 1 265 Patienten mit Rektumkarzinomen des Stadiums T3–4 und/oder mit nodaler Beteiligung wurden randomisiert: Die Kontrollgruppe erhielt präoperativ zwei fünftägige Zyklen mit 5-FU-Infusionen (1 000 mg/m2 und Tag) und eine Bestrahlung mit 50,4 Gy, wurde operiert und bekam dann vier Zyklen Bolus-5-FU (500 mg/m2). In der experimentellen Gruppe wurde das präoperative 5-FU zweimal 14 Tage lang als Infusion mit 250 mg/m2 und Tag gegeben und um wöchentlich 50 mg/m2 Oxaliplatin ergänzt; postoperativ wurden acht Zyklen mit Oxaliplatin (100 mg/m2), Folat 400 mg/m2 (beides jeweils an den Tagen 1 und 15) und 5-FU-Infusionen (2 400 mg/m2 an den Tagen 1–2 und 15–16) gegeben. Zum primären Endpunkt krankheitsfreies Überleben gibt es noch keine Daten, aber bei den Komplettremissionen ist die Oxaliplatin-Gruppe mit 17 % der Kontrollgruppe mit 13 % signifikant überlegen (Odds Ratio 1,40; 95-%-Konfidenzintervall 1,02–1,92; p = 0,038). Es traten unwesentlich mehr Grad-3/4-Toxizitäten auf (23 % vs. 20 %), lediglich Grad-3/4-Diarrhöen (12 % vs. 8 %) und Übelkeit und/oder Erbrechen vom Grad 3/4 (4 % vs. 1 %) waren mit Oxaliplatin häufiger. In diesem Arm konnten 85 % der Patienten die volle Chemotherapiedosis und 94 % die volle Strahlendosis erhalten; im Kontrollarm 79 % und 96 %; 81 % bzw. 83 % beendeten alle Therapiezyklen.

Fazit: Die Zugabe von Oxaliplatin zur präoperativen Radiochemo- und zur adjuvanten Chemotherapie des regional begrenzten Rektumkarzinoms ist ohne wesentliche Steigerung schwerer Toxizitäten möglich und führt bei mehr Patienten zu pathologischen Komplettremissionen. In einem begleitenden Editorial wird vor allem die strikte Qualitätskontrolle des chirurgischen Eingriffs positiv erwähnt. Die Oxaliplatin-5-FU-Kombination könnte zum neuen Standard in diesem klinischen Kontext werden, sagte Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Lübeck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. Ob sie allerdings Fernmetastasen wirksamer verhindere und dadurch langfristig das Therapieergebnis verbessere, müsse sich noch in den Ergebnissen zum krankheitsfreien Überleben zeigen. Josef Gulden

Rödel C, et al.: Preoperative chemoradiotherapy and postoperative chemotherapy with fluorouracil and oxaliplatin versus fluorouracil alone in locally advanced rectal cancer: Initial results of the German CAO/ARO/AIO-04 randomized phase 3 trial. Lancet Oncol 2012; 13: 679–87. MEDLINE

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