ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2012Nierentransplantate funktionieren in Europa länger

AKTUELL: Akut

Nierentransplantate funktionieren in Europa länger

Dtsch Arztebl 2012; 109(42): A-2062 / B-1682 / C-1650

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Nierentransplantationen sind in Europa langfristig deutlich erfolgreicher als in den USA: Während die Funktionsraten nach einem Jahr mit ungefähr 90 Prozent übereinstimmen, funktionieren nach fünf Jahren in Europa noch 77 Prozent der Spendernieren, in den USA sind es bei weißen Amerikanern dagegen nur 71 Prozent. Nach zehn Jahren sind es 56 Prozent gegenüber 46 Prozent. Die niedrigeren Langzeitüberlebensraten im Vergleich zu Europa betreffen auch spanischstämmige US-Amerikaner, bei denen nach zehn Jahren 48 Prozent der transplantierten Nieren noch funktionieren, und vor allem Afroamerikaner mit 33 Prozent.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben erstmals die große Diskrepanz durch einen systematischen Vergleich von Daten aus der weltweit größten Studie zu Transplantationsergebnissen, der „Collaborative Transplant Study CTS“ in Heidelberg, mit Transplantationsdaten aus den USA aufgezeigt. Insgesamt wurden etwa 23 500 Nierentransplantationen in Europa für die aktuelle Auswertung herangezogen, in den USA waren es circa 32 000 (Transplantation online, 10th October 2012. doi: 10.1097/TP.0b013e3182708ea8).

Die Ergebnisse zeigen besonders große Unterschiede bei dem Funktionsverlust des Nierentransplantats bei Kindern und jungen Erwachsenen auf. Ein Grund für die schlechteren Ergebnisse in den USA könnte sein, dass die in der Nachsorge erforderlichen Immunsuppressiva in der Regel nur für drei Jahre von der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung Medicare erstattet werden, während in Europa die lebenslange Kostenübernahme durch die Krankenkassen gesichert ist. In den USA müssen die Patienten dann jährlich im Mittel 20 000 Dollar für ihre Arzneimittel aufbringen.

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Die CTS-Studie in der Abteilung Transplantationsimmunologie am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. med. Gerhard Opelz sammelt seit 30 Jahren Daten von Transplantationen weltweit und wertet sie wissenschaftlich aus. Die Daten der zurzeit etwa 550 000 Patienten stammen meist aus Europa. In den USA werden sämtliche Daten von Transplantationen systematisch gesammelt und sind öffentlich verfügbar, im Gegensatz zu Deutschland und den meisten europäischen Ländern, in denen in der Regel kein vergleichbares nationales Register vorhanden ist.

Die Teilnahme an der CTS-Studie ist freiwillig. „Da aber ein hoher Prozentsatz der europäischen Zentren teilnehmen, sind die Daten für Europa repräsentativ“, so Opelz. EB

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