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Mit Interesse haben wir die Originalarbeit von Gibis et al. gelesen. Diese bundesweite Befragung kommt bei den Themenbereichen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und „Berufswunsch“ zu ähnlichen Ergebnissen wie eine Befragung unserer Arbeitsgruppe Berufsfeld des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg (13). Diese Befragung wurde unter Medizinstudierenden in Baden-Württemberg (n = 12 062; Rücklauf 11 %) mit einem validierten Fragebogen durchgeführt (1). In diesem Fragebogen wird im Gegensatz zur Studie von Gibis et al. nur eine Antwortmöglichkeit für den Facharztwunsch zugelassen. Die sechs am häufigsten genannten Wünsche waren Innere Medizin (11,7 %), Gynäkologie (9,8 %), Pädiatrie (9,6 %), Chirurgie (8,9 %), Anästhesiologie (7,8 %) und Allgemeinmedizin (6,8 %).

Der Vergleich der Umfragen zeigt einerseits eine deutliche Überlappung auf den Spitzenplätzen, wobei sich in unseren Daten deutlich mehr Studierende für Gynäkologie interessieren und etwas weniger für die Allgemeinmedizin. Andererseits wird durch den Vergleich mit den Ergebnissen unserer Studie auch die Gefahr einer Fehlinterpretation der Daten von Gibis et al., die sich aus der Methodik ergibt (Zulassen von Mehrfachantworten für den Facharztwunsch), deutlich. Insgesamt ist für die unterschiedlichen Gebiete sicherlich mit weitaus weniger interessiertem Nachwuchs zu rechnen wie die präsentierten Daten suggerieren. Die Angaben für den Facharztwunsch rangierten in unseren Daten alle unter 11 %, was in keinem der großen Fächer ausreichen dürfte, um den Bedarf zu decken.

Alle Fächer müssten gleichermaßen daran arbeiten, ihr Fach an den Universitäten und die Arbeitsplätze der nachrückenden Ärztegeneration attraktiv zu gestalten. Insbesondere für die Allgemeinmedizin ist das ein Wettbewerb mit Handicap, bedenkt man, dass es nur an der Hälfte der Medizinischen Fakultäten in Deutschland bisher überhaupt einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin gibt.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0735b

PD Dr. med. Stefanie Joos, Dr. med. Antje Miksch,
Dr. sc. hum. Katja Hermann, Dr. med. Jost Steinhäuser, Dr. phil. Katja Götz

Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung Arbeitsgruppe Berufsfeld Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Baden-Württemberg, Universitätsklinikum Heidelberg

katja.goetz@med.uni-heidelberg.de

1.
Hermann K, Buchholz A, Loh A, Kiolbassa K, Miksch A, Joos S, Götz K: Entwicklung, faktorenanalytische Überprüfung und psychometrische Evaluierung eines Fragebogens zur Gebietswahl von Medizinstudierenden. Das Gesundheitswesen 2012; 74: 426–34. CrossRef MEDLINE
2.
Götz K, Miksch A, Hermann K, Loh A, Kiolbassa K, Joos S, Steinhäuser J: Berufswunsch „planungssicherer Arbeitsplatz“. Ergebnisse einer Online-Befragung unter Medizinstudierenden.
Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 253–7. CrossRef MEDLINE
3.
Kiolbassa K, Miksch A, Hermann K, Loh A, Szecsenyi J, Joos S, Goetz K: Becoming a general practitioner – Which factors have most impact on career choice of medical students? BMC Fam Pract 2011; 12: 25. CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Gibis B, Heinz A, Jacob R, Müller CH: The career expectations of medical students: findings of a nationwide survey in Germany.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 327–32. VOLLTEXT
1. Hermann K, Buchholz A, Loh A, Kiolbassa K, Miksch A, Joos S, Götz K: Entwicklung, faktorenanalytische Überprüfung und psychometrische Evaluierung eines Fragebogens zur Gebietswahl von Medizinstudierenden. Das Gesundheitswesen 2012; 74: 426–34. CrossRef MEDLINE
2. Götz K, Miksch A, Hermann K, Loh A, Kiolbassa K, Joos S, Steinhäuser J: Berufswunsch „planungssicherer Arbeitsplatz“. Ergebnisse einer Online-Befragung unter Medizinstudierenden.
Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 253–7. CrossRef MEDLINE
3. Kiolbassa K, Miksch A, Hermann K, Loh A, Szecsenyi J, Joos S, Goetz K: Becoming a general practitioner – Which factors have most impact on career choice of medical students? BMC Fam Pract 2011; 12: 25. CrossRef MEDLINE PubMed Central
4. Gibis B, Heinz A, Jacob R, Müller CH: The career expectations of medical students: findings of a nationwide survey in Germany.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 327–32. VOLLTEXT

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