ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2012Nihilismus unangebracht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die bundesweite Befragung müsste für medizinische Fakultäten alarmierend sein: 55 % halten die verfügbare Zeit zur Therapie von Patienten für nicht angemessen und 53 % erleben starre Hierarchien. Das Ergebnis ist trotz nur 16 % Teilnehmerrate wohl repräsentativ für zukünftige ärztliche Leistungserbringer.

Eine Pilotstudie mit 33 geschlossenen Fragen an der Ulmer Medizinischen Fakultät bei 821 Medizinstudierenden/klinischer Abschnitt (mit nur 10 % Non-Compliance) bestätigt die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage.

Nur 26 % erlebten das Studium überwiegend positiv und 25 % erkennen keinen Bezug der Lerninhalte zur späteren Berufstätigkeit. Nur 10 % erleben die Darstellung der Lerninhalte förderlich für eine positive Einstellung zum Studium. Aber nur 20 % sind mit den Dozenten nicht zufrieden. Der Studienalltag wird von 71 % aufgrund der Organisation als belastend erlebt.

All das beeinflusst die Sicht auf spätere ärztliche Tätigkeit. Eine belastende Diskrepanz zwischen dem eigenen Idealbild und der Realität des ärztlichen Berufes, wie in Praktika und Seminaren erlebt, geben 57 % an. Nur 30 % denken, genügend Kompetenz für die spätere Berufstätigkeit zu bekommen. Das Studium löse Gefühle der Machtlosigkeit und Unsicherheit über den Lehrbetrieb bei 53 % aus. Die anderen Fragen wurden mehrheitlich mit gleicher Tendenz beantwortet. Das spricht für Handlungsbedarf, denn unzufriedene und unsichere Ärzte können schwer mit zufriedenen und sicheren Patienten nach Behandlung rechnen.

Nihilismus in der universitären Lehre ist unangebracht: In einem schwedischen Experiment wurden schwierige Schülergruppen den besten Lehrern zugeordnet und diese Schüler schlossen am Jahresende landesweit mit Bestnoten ab.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0736a

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein

Universität Ulm, wenderlein@gmx.de

1.
Promotionsarbeit von Rädler P an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm/erfolgreicher Abschluss Februar 2012 mit dem Thema: „Abschätzen des Burnout-Risikos bei Medizin-Studierenden im Vergleich zu Studierenden anderer Fachrichtungen mit Bezug zu soziobiographischen Daten“ (Pilotstudie an 1423 Studierenden).
2.
Gibis B, Heinz A, Jacob R, Müller CH: The career expectations of medical students: findings of a nationwide survey in Germany.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 327–32. VOLLTEXT
1.Promotionsarbeit von Rädler P an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm/erfolgreicher Abschluss Februar 2012 mit dem Thema: „Abschätzen des Burnout-Risikos bei Medizin-Studierenden im Vergleich zu Studierenden anderer Fachrichtungen mit Bezug zu soziobiographischen Daten“ (Pilotstudie an 1423 Studierenden).
2.Gibis B, Heinz A, Jacob R, Müller CH: The career expectations of medical students: findings of a nationwide survey in Germany.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 327–32. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige