ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2012Schach: Möge deine Hand nicht schmerzen!

SCHLUSSPUNKT

Schach: Möge deine Hand nicht schmerzen!

Dtsch Arztebl 2012; 109(43): [72]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Was macht man am frühen Morgen des Ärzteturniers, wenn noch alle Schachbretter verwaist sind und keinem Kollegen Bauernopfer und Königsbelagerungen durch den Kopf schwirren?

Man geht ins Schwimmbad und trifft dort auf Dr. med. Fariborz Bawandi, der für den Abend zu einem persischen Essen zu zwölft lädt, nicht zuletzt mit dem „Ehrenperser“ Dr. med. Wolfgang Weise, der einst mit der wie immer starken (in jeglichem Sinne des Wortes) persischen Delegation in Göttingen studierte und „schachte“. Vermutlich etwas anders als anno dazumal der Internationale Meister Ludwig Rellstab, von dem es hieß, er studierte Schach und spielte Chemie. Schließlich versorgt der Chirurg im (Un-)Ruhestand seit Jahren gemeinsam mit einem Kollegen im Mini-OP auf dem Münchner Oktoberfest in 16 Tagen etwa 800 Patienten, die dann gar nicht selten, genäht und gekleistert, weiterfeiern können.

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Doch von der Wiesn zurück zum Schwimmbad, in dem einem zwischen den Runden Prof. Dr. med. Eberhard Schwinger aus Lübeck eine schier unglaubliche, im besten Sinne orientalische Geschichte erzählt.

In den frühen 60er Jahren ist er als stud. med. Betreuer auf einer großen Ausgrabung des Deutschen Archäologischen Instituts in Westpersien – Takht-i-Suleiman hieß der sassanidische Feuertempel und Palast – und kann einem von einer Giftschlange gebissenen persischen Helfer (damals dort ein sicheres Todesurteil) mit einem polyvalenten Schlangenserum helfen, so dass die anderen dessen schon vorbereitetes Grab wieder zuschütten können. Daraufhin bringt die ganze Umgebung all ihre Kranken, die mühselig und beladen sind, zu diesem Wunderheiler alias stud. med. – ich stelle mir dies wie einst bei Jesus Christus vor.

Aus dieser Zeit sind einige persische Brocken hängengeblieben, so dass er Dr. Bawandi stilgerecht mit „Daste shoma dard nakoneh“ (Möge Ihre Hand nicht schmerzen!) begrüßen kann, worauf dieser entsprechend antwortet: „Sare shoma dard nakoneh“ (Und auch nicht Ihr Kopf!). Das kann jeder gebrauchen, zumal bei einem Schachturnier.

Vor allem wenn man vielleicht Höheres anpeilt, wie der Münchner Gynäkologe Dr. med. Amir Sharif-Zadeh, der mich vor Jahren einmal fragte, wie man Großmeister wird, worauf sein persischer Freund Dr. med. Arsalan Dejam ihn zurückfragte, ob er etwa selbst einer werden will.

Überhaupt ist es ein Segen, dass im frühen Mittelalter das Schachspiel von Indien nach Persien kam, wie der große persische Geschichtsschreiber Firdausi im „Buch der Könige“ berichtet. Ansonsten gäbe es jetzt vielleicht kein Ärzteschachturnier und keine dieses Turnier so belebenden persischen Kollegen.

Doch dummerweise habe ich diesmal keine „persische Kombination“, deshalb heute als guten Ersatz eine durchschlagende Mattkombination vom Heidelberger Kinderherzchirurgen Dr. med. Tsvetomir Loukanov (dessen prächtige Kombination gegen den leibhaftigen bulgarischen Großmeister Kiril Georgiev ich letztes Jahr brachte) gegen Dr. med. Georg Stelzig, der am Freitagabend das Blitzschachturnier (5-Minuten-Partien) gewonnen hatte.

Dr. Stelzig als Schwarzer drohte mit der Springergabel 1. . . . Se2+ die Qualität (Turm gegen Springer) zu gewinnen, weil 2. Dxe2 an 2. . . . Dxg2 matt scheitern würde. Doch Dr. Loukanov als Weißer am Zug hatte seinerseits ein Matt erspäht. Wie kam’s?

Lösung:

Nach dem Läuferopfer 1. Lxh7+! gab Schwarz schon auf, weil er nach 1. . . . Kxh7 2. Th3+ Kg8 3. Th8 matt wäre.

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