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In ihrer Übersichtsarbeit stellen die Autoren die Ergebnisse der Zulassungsstudien für zwei kürzlich zugelassene HCV-Proteaseinhibitoren dar (Boceprevir, Telaprevir). Beide Substanzen wurden auch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) bewertet (frühe Nutzenbewertung). Die Bewertung wurde in Fachkreisen aufgeregt und teilweise unsachlich diskutiert. Wir begrüßen daher ausdrücklich die sachliche Darstellung der Autoren.

Die Einschätzung der Autoren entspricht in großen Teilen der des IQWiG. Zum Endpunkt „dauerhaftes virologisches Ansprechen“ (SVR) hat auch das IQWiG auf Basis der verfügbaren Literatur abgeleitet, dass es sich um ein ausreichend valides Surrogat für die Folgekomplikation „hepatozelluläres Karzinom“ (HCC) handelt. Wir haben daher für Boceprevir und Telaprevir für die meisten Patient(inn)en einen Zusatznutzen festgestellt. Bei der frühen Nutzenbewertung ist jedoch auch das Ausmaß dieses Zusatznutzens zu bestimmen. Dazu muss die Risikoreduktion für das Auftreten eines HCC beziffert werden. Dies ist auf Basis der vorliegenden Studien nicht möglich. Der Verweis auf eine mögliche „Heilung“ löst diese Frage nicht, denn auch bei Patient(inn)en mit SVR kann die Erkrankung fortschreiten und ein HCC auftreten.

In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich unsere Bewertung von den Schlussfolgerungen der Autoren. Aus Sicht der Autoren profitieren alle Patient(inn)en von einer Behandlung mit Boceprevir und Telaprevir. Bei einigen Patientengruppen treten unter Telaprevir und Boceprevir jedoch nur mehr Nebenwirkungen auf, ohne dass das virologische Ansprechen verbessert wird (1, 2). Diese Informationen sollten sowohl Ärzt(inn)en als auch Patient(inn)en ungeschönt zur Verfügung gestellt werden, damit sie diese bei der Therapieentscheidung berücksichtigen können.

Alle Unterlagen zur frühen Nutzenbewertung sind für die Öffentlichkeit auf der Website des G-BA (www.g-ba.de) einsehbar.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0755a

Dr. med. Thomas Kaiser

PD Dr. med. Stefan Lange

Dr. rer. nat. Beate Wieseler

Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln

thomas.kaiser@iqwig.de

Interessenkonflikt

Die Autoren sind für das IQWiG tätig. Sie erklären, dass darüber hinaus keine Interessenkonflikte bestehen.

1.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Boceprevir: Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung; Auftrag A11–17 [online]. 29.11.2011 [Zugriff: 23.05.2012]. (IQWiG-Berichte; Band 107). URL: https://www.iqwig.de/download/A11–17_Boceprevir_Nutzenbewertung_gemaess_35a_SGB_V.pdf.
2.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Telaprevir: Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung; Auftrag A11–25 [online]. 12.01.2012 [Zugriff: 23.05.2012]. (IQWiG-Berichte; Band 115). URL: https://www.iqwig.de/download/A11–25_Telaprevir_Nutzenbewertung_35a_SGB_V.PDF.
3.
Hofmann WP, Sarrazin C, Zeuzem S: Current standards in the treatment of chronic Hepatitis C. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(19): 352–8. VOLLTEXT
1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Boceprevir: Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung; Auftrag A11–17 [online]. 29.11.2011 [Zugriff: 23.05.2012]. (IQWiG-Berichte; Band 107). URL: https://www.iqwig.de/download/A11–17_Boceprevir_Nutzenbewertung_gemaess_35a_SGB_V.pdf.
2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Telaprevir: Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung; Auftrag A11–25 [online]. 12.01.2012 [Zugriff: 23.05.2012]. (IQWiG-Berichte; Band 115). URL: https://www.iqwig.de/download/A11–25_Telaprevir_Nutzenbewertung_35a_SGB_V.PDF.
3.Hofmann WP, Sarrazin C, Zeuzem S: Current standards in the treatment of chronic Hepatitis C. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(19): 352–8. VOLLTEXT

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