ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2012Therapieempfehlungen unspezifisch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Weil das Problem der Differenzialdiagnostik und -therapie einer Myokarditis zu den anspruchsvollsten internistischen Aufgaben gehört, wird der Wert der Myokardbiopsie häufig unterschätzt. Neben der vollen Unterstützung der Autoren in diesem Punkt sind aus klinisch-immunologischer Sicht aber noch einige Anmerkungen notwendig:

Um das im Beitrag benannte Ziel einer eindeutigen Erkrankungszuordnung zu erreichen, muss bereits jeder Verdacht auf eine nicht primär infektiös oder toxisch bedingte Myokarditis zwingend auch die spezifische Diagnostik einer immunologisch-rheumatologischen Erkrankung nach sich ziehen.

Sollte eine systemisch-immunologische Erkrankung statt einer reinen Myokarditis vorliegen, ändert sich das Therapieregime sofort entsprechend der für diese Erkrankungen geltenden Empfehlungen, da dann dieser systemische Aspekt therapeutisch in den Vordergrund rückt. Es ist auch zu erwarten, dass nach der hier vorgeschlagenen (Mindest-)Therapiedauer von sechs Monaten bei autoimmunen Myokarditiden umgehend wieder ein möglicherweise (vermeidbarer) Schub der zugrunde liegenden Erkrankung erfolgen kann. Erfreulicherweise steht für diese oligosymptomatischen, aber in ihrer Grundanlage systemischen immunologischen Erkrankungen dann ein deutlich größeres Therapierepertoire zur Verfügung.

Die in den Tabellen aufgeführten Hinweise können auch für die tägliche Praxis konkreter benannt werden, entsprechend der TIMIC-Studie sollte deshalb nicht „Kortison“ oder „Methylprednisolon“ angegeben werden sondern eine definierte Dosis an Prednisolonäquivalent (wofür im Übrigen nicht automatisch eine Gastroprotektion mit PPIs notwendig ist und Kalzium inzwischen als obsolet gilt). Eine Erhaltungsdosis von > 5 mg Prednisolonäquivalent zeichnet in der Regel auch für ein nicht ausreichendes Ausschöpfen der immunsuppressiven Möglichkeiten. Auch sollte darauf hingewiesen werden, dass einige in den Tabellen nicht genannte Risikofaktoren ebenfalls beachtet werden sollten, zum Beispiel Mesalazin als Auslöser einer Myokarditis, aber auch Routineimpfungen gegen Windpocken und Diphterie/Tetanus.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0757b

Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner

Justus-Liebig-Universität Gießen, u.mueller-ladner@kerckhoff-klinik.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Peter HH, Pichler W, Müller-Ladner U (eds.): Klinische Immunologie. München: Elsevier Verlag 2012.
2.
Kindermann I, Barth C, Mahfoud F, et al.: Update on myocarditis. J Am Coll Cardiol 2012; 59: 779–92. CrossRef MEDLINE
3.
Sagar S, Liu PP, Cooper LT Jr: Myocarditis. Lancet 2012; 379: 738–47. CrossRef MEDLINE
4.
Kühl U, Schultheiss HP: Myocarditis—elderly biopsy allows for tailored regenerative treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(20): 361–8. VOLLTEXT
1. Peter HH, Pichler W, Müller-Ladner U (eds.): Klinische Immunologie. München: Elsevier Verlag 2012.
2. Kindermann I, Barth C, Mahfoud F, et al.: Update on myocarditis. J Am Coll Cardiol 2012; 59: 779–92. CrossRef MEDLINE
3. Sagar S, Liu PP, Cooper LT Jr: Myocarditis. Lancet 2012; 379: 738–47. CrossRef MEDLINE
4.Kühl U, Schultheiss HP: Myocarditis—elderly biopsy allows for tailored regenerative treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(20): 361–8. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige