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Die Kollegen Göbel und Gortner haben den Aspekt der Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge durch Herausgeber und Gutachter thematisiert, die durchaus als Fremdleistungen interpretiert werden könnten, wenn die Autoren ihnen denn folgen. Das ist eine überraschende aber schlüssige Sicht auf die Praxis des „peer review“, die der Qualitätssicherung dienen soll. Sollten die Gutachten ebenfalls veröffentlicht werden, die Gutachter ebenfalls genannt werden? Wie transparent sollte/muss der Begutachtungsprozess sein? Textplagiate sind in den Lebenswissenschaften ja kein zentrales Problem, aber Ideenplagiate schon. Übrigens auch in der anderen Richtung – vom Autor zum Gutachter. 

Die verschiedenen Probleme des Impact Factors (IF) sind offensichtlich – bis auf Weiteres werden Entscheidungen zum Wert von Publikationen nicht anhand von Einzelparametern fallen können, sondern nur nach individueller Bewertung durch Gremien mit großer wissenschaftlicher Erfahrung, wie sie Promotionskommissionen darstellen. Auch diese Entscheidungen werden allerdings nicht fehlerfrei sein. Die Entwicklung eines besseren Instrumentariums zum Qualitätsvergleich ist eine dringliche Aufgabe, bei der wir beide Kollegen gerne unterstützen würden.

Die Bemerkungen des Kollegen Stief gehen auf die Rolle der Erstautorenschaft ein. Der Annahme, die Publikationen von medizinischen Doktoranden könnten deshalb nicht erstklassig sein, weil sie von „Anfängern“ geschrieben werden, würden wir so nicht zustimmen und sie wird täglich widerlegt. Natürlich ist dafür eine exzellente Betreuung unerlässlich. Der verantwortliche Betreuer der Arbeit ist an der Charité immer mindestens habilitiert oder Nachwuchsgruppenleiter. Der Kampf um die Erstautorenschaft zwischen Doktoranden und Habilitanden (als Zweitbetreuer) ist an der Charité so aufgelöst, dass für die Habilitation die Letztautorenschaft der Erstautorenschaft gleichgestellt ist. 

Wir teilen die Einschätzung des Kollegen Seidenstücker, dass für einen großen Teil der Medizinstudenten die Forschung nicht im Zentrum steht. Wir sind aber der Meinung, dass eine frühe Entscheidung gegen die Forschung und für den Medical Doctor amerikanischer Provenienz den Lebenswissenschaften enormes Potenzial entzöge. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Medizin wird aber immer notwendiger. Wir möchten deshalb das tragfähige Grundkonzept der medizinischen Promotion weiterentwickeln. In diesem Prozess tun sich in der Tat konstant neue Fragen auf. Im Übrigen ist an der Charité die Monographie für Mediziner und Zahnmediziner weiterhin ohne Antrag möglich.

 

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0754b

Prof. Dr. med. Jörg-Wilhelm Oestmann 

Promotionskommission der Charité

Campus Virchow Klinikum der Charité, Berlin
joerg.oestmann@charite.de

Esther Ziemann

Campus Virchow Klinikum der Charité, Berlin 

Interessenkonflikt
Prof. Oestmann ist Vorsitzender der Promotionskomission der Charité. Frau Ziemann wird von Prof. Oestmann bei der Promotion betreut.

1.
Ziemann E, Oestmann J-W: Publications by doctoral candidates at charité university hospital, Berlin, from 1998–2008. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 333–7. VOLLTEXT
1.Ziemann E, Oestmann J-W: Publications by doctoral candidates at charité university hospital, Berlin, from 1998–2008. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 333–7. VOLLTEXT

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