ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2012Medizinstudium: Fakultät in Oldenburg eröffnet

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Medizinstudium: Fakultät in Oldenburg eröffnet

Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2166 / B-1768 / C-1735

Hibbeler, Birgit

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Erstmals seit fast 20 Jahren ist in Deutschland wieder eine medizinische Fakultät gegründet worden. Die Ausbildung findet in einer grenzüberschreitenden Kooperation mit dem niederländischen Groningen statt.

40 Erstsemester studieren seit Anfang Oktober im niedersächsischen Oldenburg Medizin. Foto: Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG/Torsten von Reeken
40 Erstsemester studieren seit Anfang Oktober im niedersächsischen Oldenburg Medizin. Foto: Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG/Torsten von Reeken

Moritz Knemeyer (22) ist einfach nur froh. Endlich hat er einen Medizinstudienplatz. Mit einer Abiturnote von 2,1 ist das keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Er gehört zu den ersten Studierenden, die sich im Oktober an der neu gegründeten medizinischen Fakultät im niedersächsischen Oldenburg eingeschrieben haben. Damit ist erstmals seit fast 20 Jahren in Deutschland wieder eine medizinische Fakultät eröffnet worden. Eine weitere Besonderheit: Der Unterricht findet im Rahmen der neuen „European Medical School“ statt. Diese länderübergreifende Struktur sei „einzigartig in Europa“, sagte Prof. Dr. med. Babette Simon, Präsidentin der Universität, bei der Eröffnungsfeier am 23. Oktober.

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Der europäische Ansatz hat Moritz Knemeyer überzeugt, genau wie das gesamte Curriculum. In dem Modellstudiengang findet ab dem ersten Semester Unterricht an Patienten statt. Früh sollen die Studenten in Hausarztpraxen Erfahrungen sammeln. So hatte Knemeyer ganz bewusst Oldenburg als erste Präferenz bei seiner Bewerbung angegeben. Reingerutscht ist er nun über das Auswahlverfahren der Hochschule, nach der die Oldenburger Fakultät 60 Prozent der Studierenden auswählt. Wert gelegt wird dabei auf Kommunikationsfähigkeiten, nicht nur auf die Abiturnote. „Ich hatte hier die besten Chancen“, sagt Knemeyer. Nach der Schule hat er eine Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert. Auch das wirkte sich positiv aus.

In Oldenburg will man in der Ausbildung neue Wege gehen. Allerdings mussten die Initiatoren – darunter Prof. Dr. med. Hans-Rudolf Raab, Klinikum Oldenburg, und Gründungsdekan Prof. Dr. med. Eckhart G. Hahn – Überzeugungsarbeit leisten. Gegen das Projekt gab es Vorurteile. Kritiker fürchteten, mit der Kooperation könne durch die Hintertür ein Bachelor-/Masterabschluss eingeführt werden. Nun steht fest: Die Oldenburger Studierenden erwerben das deutsche Staatsexamen. Sie können zusätzlich den niederländischen Master absolvieren. Ein kleiner Teil hat die Möglichkeit, den niederländischen Bachelor zu machen. Der ist aber nicht berufsqualifizierend für Ärzte.

Die Erwartungen an die neue Fakultät sind hoch. Das Land Niedersachsen stellt bis 2015 etwa 58 Millionen Euro zur Verfügung. Die Hoffnung: Der in Oldenburg ausgebildete ärztliche Nachwuchs soll im Nordwesten bleiben. Allein mit der Gründung einer Fakultät ist es aber nicht getan. Darauf wies Prof. Dr. med. Dieter Bitter-Suermann, Medizinische Hochschule Hannover, hin. Wichtig sei, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen familienfreundlich seien. „Sonst werden die Studenten wieder abwandern, wie aus anderen Regionen auch“, mahnte er. Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer, zeigte sich überzeugt, dass das Oldenburger Konzept die Studierenden zu einer ärztlichen Tätigkeit motiviert. Mit dem frühen Praxisbezug könnten sie „im ärztlichen Alltag erleben, wie schön unser Beruf ist“.

Dr. med. Birgit Hibbeler

European Medical School

Die Universität Oldenburg hat eine Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften gegründet. Zum Wintersemester 2012/13 haben sich 40 Studierende für Humanmedizin eingeschrieben. Die Ausbildung findet an der ebenfalls neuen „European Medical School“ statt – einer Kooperation mit der Universität Groningen, Niederlande.

Die Studierenden in Oldenburg erwerben das deutsche Staatsexamen. Die Zulassung läuft über die ZVS-Nachfolgeorganisation Stiftung Hochschulstart. Es handelt sich um einen Modellstudiengang. Forschungsschwerpunkte werden die Neurosensorik und die Versorgungsforschung sein. www.uni-oldenburg.de/medizin.

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