ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2012Hilfsmittelbedarf: Mehr Geld erforderlich

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Hilfsmittelbedarf: Mehr Geld erforderlich

Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2178

Manteuffel, Leonie von

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Wie entwickelt sich der Bedarf an medizinischen Hilfsmitteln in Deutschland? Eine Prognose bis zum Jahr 2050 hat der Branchenverband Spectaris vorgestellt.

Der Großteil der 55 körperlichen, geistigen und seelischen Funktionseinschränkungen aus der amtlichen Schwerbehindertenstatistik wurde in einer Studie in sieben Versorgungsprofilen zusammengeführt: Das Profil des bettlägerigen, immobilen, schwerhörigen oder sehbehinderten Patienten sowie des Dialyse-, Schmerz- und Beatmungspatienten ist dabei durch je einen typischen Hilfsmittelbedarf gekennzeichnet. Da sich vier von fünf Schwerbehinderungen als Krankheitsfolgen darstellen, bezog die beauftragte Unternehmensberatung auch die Morbiditätsprognose des Fritz-Beske-Instituts für Gesundheits-System-Forschung, Kiel, aus dem Jahr 2009 in die Berechnungen ein. Darin werden bis 2050 Steigerungsraten zwischen 50 und knapp 200 Prozent für ambulant erworbene Lungenentzündung, Makuladegeneration, Demenz, Oberschenkelhalsbruch, Herzinfarkt, Schlaganfall, Glaukom sowie Darm- und Prostatakrebs erwartet.

Bedarfsprognose für 2050
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Tabelle
Bedarfsprognose für 2050
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Anhand der Morbiditätsentwicklung wurde ein Zuwachs von circa 15 Millionen Fällen für die Profile errechnet: Allein um 3,6 Millionen soll die Zahl der Mobilitätseingeschränkten steigen (auf 25,8 Millionen) und damit der Bedarf an Rollatoren, Rollstühlen, Dusch- und Badhilfen. Mengenmäßig bedeutsam sind auch die Beatmungspatienten mit einem voraussichtlichen Anstieg um 3,3 Millionen Fälle. Bei den Sehbehinderten, deren Anzahl für 2050 auf 11 Millionen geschätzt wird (2007: 8,2 Millionen) sind qua gesetzlicher Definition nur regelwidrige Beeinträchtigungen und noch nicht das altersgemäße Nachlassen der Sehkraft einbezogen. Betrachtet man die prozentualen Steigerungen, so liegt die kleine Gruppe bettlägeriger Patienten mit 78 Prozent an der Spitze (2050: 3,3 Millionen).

Der Fachverband Medizintechnik im Industrieverband Spectaris fordert daher ein erweitertes Hilfsmittelbudget der Krankenkassen. „Frühestmögliche Versorgung im Hilfsmittelbereich ist intelligent“, argumentierte Verbandsleiter Jan Wolter. Am Beispiel der Orthothese nach Fersenbeinbruch legte er dar, dass sich ein scheinbar teures Hilfsmittel letztlich als kostengünstiger erweise.

Leonie von Manteuffel

Bedarfsprognose für 2050
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