ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2012Private Kran­ken­ver­siche­rung: Wenn Tarifwechsel, dann richtig

POLITIK

Private Kran­ken­ver­siche­rung: Wenn Tarifwechsel, dann richtig

Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2164 / B-1766 / C-1734

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Insbesondere ältere Versicherte sind von steigenden Prämien in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung betroffen. Sie haben das Recht, ohne Nachteile in jeden Tarif ihres PKV-Anbieters zu wechseln.

Nun im November erhalten wieder viele privat Krankenversicherte unerfreuliche Post von ihrer Versicherungsgesellschaft. Denn auch 2013 dürften die Prämien vieler Tarife in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) weiter steigen. Besonders betroffen von diesen jährlichen „Anpassungen“ sind immer die älteren Versicherten. Das liegt daran, dass die Gesellschaften deren Tarife oft bereits geschlossen haben. Junge, gesunde Neukunden werden hier also nicht mehr aufgenommen. Für diese Zielgruppe legen die Gesellschaften stattdessen attraktive neue Tarife auf, um Neukunden zu gewinnen. Die Folge: Der für neue Versicherungsnehmer geschlossene Tarif „vergreist“ mit der Zeit. Zugleich steigen mit zunehmendem Alter die Krankheitsausgaben für die einzelnen Versicherten im Tarif und somit auch die der Tarifgemeinschaft. Da die Alterungsrückstellungen nicht ausreichen, um diese Effekte auszugleichen, steigen die Prämien.

Versicherten, die sich bei ihrer PKV über zu hohe Prämien beschweren, wird meist empfohlen, ihre Selbstbeteiligung zu erhöhen oder Leistungsausschlüsse zu vereinbaren. Beides senkt die Prämie.

Anzeige

Nach einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) haben in diesem und im letzten Jahr 22,9 Prozent der PKV-Versicherten eine höhere Selbstbeteiligung mit ihrer Gesellschaft vereinbart; 12,9 Prozent grenzten ihr versichertes Leistungsspektrum ein (Tabelle). Dabei waren vor allem Rentner ohne Beihilfeansprüche bemüht, durch einen höheren Selbstbehalt (40,5 Prozent) beziehungsweise durch Leistungsausschlüsse (24,1 Prozent) steigende Prämien zu vermeiden. Für die Studie wurden im Frühjahr jeweils circa 1 000 privat und gesetzlich Krankenversicherte interviewt.

Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.
Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.
Tabelle
Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.

Nur wenigen Betroffenen ist offenbar bekannt, dass es in vielen Fällen eine Alternative zu den höheren Selbstbehalten und Leistungsausschlüssen gibt: § 204 Versicherungsvertragsgesetz zufolge darf jeder Versicherte ohne Nachteile in jeden anderen Tarif seiner PKV wechseln – also auch in die attraktiven Neukundentarife. Bei einem solchen Wechsel müssen das bisherige Leistungsniveau erhalten und die angesparten Alterungsrückstellungen angerechnet werden. Nur wenn der neue Tarif mehr Leistungen bietet, darf der Versicherer einen Risikozuschlag verlangen. Das Problem: Da die Kran­ken­ver­siche­rungen Prämieneinnahmen verlieren, wenn der Versicherte in den günstigeren Tarif wechselt, und da ihnen zugleich bewusst ist, dass der Kunde wegen seiner Alterungsrückstellungen und Vorerkrankungen an die Gesellschaft gebunden ist, wird den Versicherten ein solcher Wechsel in der Praxis nur sehr selten offeriert. Schlimmer noch: Die PKV-Anbieter speisen die Versicherten oft mit drittklassigen Tarifen ab oder halten sie mit Verzögerungsstrategien hin.

Inzwischen haben sich Anbieter etabliert, die sich auf den Tarifwechsel innerhalb einer PKV spezialisiert haben. Sie kennen die Tarife der mehr als 40 Gesellschaften, beraten die Versicherten entsprechend, fordern in deren Auftrag die nötigen Unterlagen bei den Versicherungen an und wickeln den Tarifwechsel ab. Die Kosten dafür richten sich nach dem Einsparvolumen des Kunden. „Widge.de“ berechnet beispielsweise das Achtfache der monatlichen Ersparnis, „Beitragsoptimierung24.de“ das Zwölffache (plus Mehrwertsteuer). Ohne Tarifwechsel fallen auch keine Kosten an.

Jens Flintrop

Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.
Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.
Tabelle
Eigenbeteiligung im Alter: 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeanspruch erhöhten ihren Selbstbehalt.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema