ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2012Adipositas: Vermittlung des Grundlagenverständnisses

MEDIEN

Adipositas: Vermittlung des Grundlagenverständnisses

Dtsch Arztebl 2012; 109(44): A-2200 / B-1796 / C-1760

Fetzner, Ulrich K.; Hölscher, Arnulf H.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Soliden Schätzungen zufolge sind in Deutschland 75 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen zu dick. Nach Angaben der EU-Kommission sind 59,7 Prozent der Bundesbürger fettleibig. Nach einer Studie der IASO (International Association for the Study of Obesity) von 2007 liegt das „Problem Adipositas“ in Deutschland mittlerweile auf gleichem Niveau wie in den USA. Die Adipositas ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das durch Belastung und Schädigung aller Organsysteme letztlich in eine drastisch verminderte Lebenserwartung mündet. Es bedarf daher keiner Erklärung, dass die Ärzte in Praxen und Krankenhäusern – gleich ob primär oder im Zusammenhang der Komorbidität mit der Adipositas befasst – mit den zahlreichen Besonderheiten dieser Patientengruppe vertraut sein müssen.

Von Klaus Lewandowski und Thomas Bein wird nun ein kompaktes Werk vorgelegt, das sich primär an Anästhesisten, Chirurgen, Intensivmediziner und Notfallmediziner, aber auch an alle assoziierten Berufsgruppen richtet. Dabei ist es kein Fachbuch im Sinne eines konkreten Leitfadens zur Diagnostik und Therapie, sondern es gibt globale Auskunft über das Krankheitsbild Adipositas, die Pathophysiologie und Folgeerkrankungen, verfügbare klinische Behandlungspfade und die speziellen Besonderheiten in der klinischen Versorgung.

Anzeige

An dem informationsreichen Buch gefällt zunächst die Voranstellung der Pathophysiologie (unter anderem Atmung, Kreislauf, Endokrinium) der Fettleibigkeit, bevor gut gegliedert alle relevanten Aspekte der Adipositas rund um die operative, klinische und präklinische (Notfall-)Medizin abgehandelt werden. Großen Wert legt das Buch mit Erfolg auf die Vermittlung des Grundlagenverständnisses, wie beispielsweise des durch Übergewicht veränderten Arzneimittelmetabolismus.

Das Werk ist inhaltlich auf dem neuesten Stand, hier sei stellvertretend für das gesamte Autorenteam der von Rudolf Alfred Weiner verfasste exzellente Beitrag zur chirurgischen Behandlung der morbiden Adipositas, unter anderem mit neuesten Zugangswegen in der Adipositaschirurgie (SILS, Single Incision Laparoscopic Surgery) und Zitation der relevanten Literatur bis 2010 genannt. Der Schreibstil ist über alle Beiträge homogen und genügt wissenschaftlichen Ansprüchen, nicht zuletzt durch die Einarbeitung von Original- beziehungsweise Primärliteratur, ist aber dennoch flüssig zu lesen. Die Kapitel sind ansprechend illustriert. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass auch die psychischen Aspekte der Adipositas und pflegerische Besonderheiten und – wie bereits der Buchtitel verspricht – Managementabläufe bis hin zu mediko-legalen Aspekten in der klinischen Versorgung adipöser Menschen umfassend dargestellt werden.

Der Band ist nicht nur den genannten Berufsgruppen, sondern grundsätzlich allen Approbierten und assoziierten Berufsgruppen zur Lektüre zu empfehlen. Das Buch sollte in jeder klinischen Einrichtung und Praxis verfügbar sein.

Ulrich K. Fetzner, Arnulf H. Hölscher

Klaus Lewandowski, Thomas Bein (Hrsg.): Adipositas-Management in Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2012, 336 Seiten, kartoniert, 59,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema