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Dachfonds: Gebühren über Gebühren

Dtsch Arztebl 2012; 109(45): [32]

Jobst, Peter

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Investmentfonds stehen bei Anlagegesprächen stets an erster Stelle. Fragen nach Anleihen oder Aktien werden oft mit verständnislosem Kopfschütteln abgetan. Zwar bieten Fonds Vorteile, die jedoch teuer bezahlt werden müssen.

Foto: picture alliance
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Anfang der 90er Jahre war die deutsche Investmentszene noch überschaubar: Aktien-, Renten- und Immobilienfonds stellten die Basis dar, die um einige wenige Spezialitäten bereichert wurde, beispielsweise Fonds mit Anlageschwerpunkt in Amerika. Berater von Banken und Sparkassen empfahlen die Fondsanlagen allenfalls als Beimischung zu einem gut strukturierten Vermögens-Portefeuille aus Aktien und Rentenwerten, jedoch wurden die Investmentprodukte – auch wenn sie aus derselben Finanzgruppe stammten – gegenüber anderen Wertpapieranlagen nicht unbedingt bevorzugt oder besonders herausgestellt. Inzwischen hat sich das geändert. Allein in Deutschland sind heute mehrere Tausend Fonds zugelassen, angefangen von risikoarmen Geldmarktfonds mit Schwerpunkt in kurzfristigen Festgeldanlagen über Regionen- und Branchenfonds, die sich auf bestimmte Branchen oder sogar Teile davon spezialisieren, bis hin zu hochspekulativen Optionsscheinfonds, die über die Hebelwirkung dieser Anlagemöglichkeit überdurchschnittliche Erträge erzielen wollen. Auch bei deutschen Anlageberatern hat ein Umdenken eingesetzt. Fonds stehen klar im Mittelpunkt der Werbeanstrengungen, selbst hauseigene Produkte werden vielfach nicht mehr aktiv verkauft.

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Die Strategie ist jedoch eindeutig. Über den Umweg des Investmentsparens können die Finanzdienstleister gut verdienen. Beispiel Rentenfonds: Kauft ein Anleger festverzinsliche Wertpapiere, wird er die Renditen verschiedener Titel sorgfältig vergleichen und – unter Berücksichtigung von Laufzeit und Schuldnerbonität – den Spitzenwert auswählen. Der Kauf kostet ihn alles in allem zwischen 0,75 und 1,5 Prozent Gebühr, oft sogar weniger. Das Institut macht also allenfalls dann einen guten Schnitt, wenn sich der Kunde für Produkte entscheidet, für die der Emittent eine Verkaufsbonifikation bezahlt. Ganz anders sieht die Rechnung aus, wenn ihm der Berater Rentenfondsanteile verkauft. Hier berechnet die (hauseigene) Kapitalanlagegesellschaft meist drei Prozent Ausgabeaufschlag, hinzu kommen bis zu 1,2 Prozent Verwaltungs- und Depotgebühren pro Jahr und, ebenso wie bei der Direktanlage, die bei allen Transaktionen anfallenden Kauf- und Verkaufsspesen. Der Fonds selbst wiederum legt seine Mittel nicht selten in Papieren an, die von der jeweiligen Muttergesellschaft oder sogar dem vermittelnden Institut selbst emittiert wurden. Die Konditionen solcher Papiere müssen jedoch längst nicht immer am freien Markt bestehen können.

Es genügt, wenn der Fonds insgesamt einen Ertrag erwirtschaftet, der ihn im Vergleich zu anderen Fonds gerade noch konkurrenzfähig erscheinen lässt. Spitzenrenditen sind, so verlautet es hinter vorgehaltener Hand, weder erwünscht noch werden sie angestrebt. Verlierer ist letztlich der Anleger, der sich für Fondsanteile statt für die Direktanlage entschieden hat. Dass die Konzepte dennoch Erfolg haben, ist auf die umfangreichen Werbeanstrengungen der Finanzdienstleister zurückzuführen, oftmals verbunden mit Provisionen für die verkaufenden Institute oder sogar die Berater.

Mittlerweile geht das „Spielchen um die Gebühren“ allerdings noch mehrere Schritte weiter. Nachdem zunächst eine so breite Palette unterschiedlichster Fonds aufgelegt war, dass selbst erfahrene Anleger und manche Berater den Überblick verlieren mussten, begann mit der in der Schweiz entwickelten „Vermögensverwaltung auf Fondsbasis“ ein neues Angebot. Der Anleger entscheidet sich nur noch für eine von meist drei bis fünf Strategien, die seiner persönlichen Chance/Risikoklasse entsprechen. Die Fondsgesellschaft wiederum legt fest, welche Investmentfonds den einzelnen Strategien in welchen Volumina entsprechen – wobei nicht selten „Ladenhüter“ mit in das Portefeuille gepackt werden. Alle Strategiedepots werden einheitlich aufgebaut und umgeschichtet. Werbewirksam publiziertes Ziel ist es, eine attraktive Rendite bei überschaubaren Risiken zu erwirtschaften. Gleichzeitig wird die Eitelkeit des Kunden mit dem Hinweis gepflegt, dass er sein Geld schließlich einer „Vermögensverwaltung“ anvertraut. Die Folge jedoch: Die Kapitalanlagegesellschaften profitieren nicht nur von den Gebührenerträgen der einzelnen Fonds, sondern sie können zusätzlich bis zu 1,2 Prozent pro Jahr für das Management der Vermögensverwaltung berechnen.

Vor etwa zehn Jahren wurde eine weitere Möglichkeit der Streuung entwickelt. Die im dritten Finanzmarktförderungsgesetz definierten „Dachfonds“ engagieren sich ausschließlich in anderen Fonds. Meist werden, ähnlich wie bei der Vermögensverwaltung auf Investmentbasis, auch hier drei bis fünf unterschiedliche Strategien offeriert, unter denen der Anleger je nach seiner persönlichen Risikoneigung wählen kann. Konservative Dachfonds investieren dann beispielsweise 80 Prozent ihres Kapitals in Rentenfonds, risikolastige Dachfonds – von den Kapitalanlagegesellschaften verkaufsfördernd als „chancenorientiert“ verkauft – legen das Kapital überwiegend in Aktienfonds an. Auch hier jedoch wiederum das gleiche Spiel mit den Gebühren. Zusätzlich zu den meist allerdings reduzierten Kosten der jeweiligen Fonds fällt eine gegenüber klassischen Fonds oftmals deutlich höhere Verwaltungsgebühr an. Auch ein Ausgabeaufschlag von 2,5 bis vier Prozent wird dem Anleger in Rechnung gestellt.

Doch ob fondsgebundene Vermögensverwaltung oder Dachfonds: Die Ergebnisse sind alles andere als überzeugend. Denn gerade bei konservativen Anlagewünschen des Kunden lassen sich derzeit nur sehr geringe Renditen an den Kapitalmärkten erzielen. Werden dann jedoch hohe Gebühren berechnet, tendiert der Ertrag schnell gegen null oder sogar ins Minus. Selbst klassischen Rentenfonds gelingt es trotz noch relativ solider Gebührenstruktur nur selten, mit einer soliden Mischung aus festverzinslichen Wertpapieren mitzuhalten.

Grundregel daher: Fondsanlagen sollten nur dann gewählt werden, wenn es keine Alternativen gibt. Wer beispielsweise Monat für Monat 50 oder 100 Euro in europäische Aktien investieren möchte, ist mit einem entsprechenden Fonds sicherlich gut bedient. Gleiches gilt für Anleger, die nach einer internationalen Diversifizierung suchen. Aber auch hier sollte man Dachfonds und vergleichbare Produkte meiden, sondern stattdessen den entsprechenden direkt anlegenden Einzelfonds den Vorzug geben.

Geld sparen lässt sich schließlich bei der Fondsauswahl. Klassische Aktienfonds kosten meist fünf Prozent Ausgabeaufschlag, wobei als Werbeargument das professionelle, aktive Management dient. Wer indes auf einen Fonds mit Indexorientierung setzt, erzielt in den meisten Fällen ähnliche Renditen, wird jedoch nicht „über Gebühr“ zur Kasse gebeten. Hier sind vor allem die seit einigen Jahren populär gewordenen Exchange Traded Funds mit Kaufspesen von meist weniger als 0,7 Prozent zu nennen, die ein sehr kostengünstiges Investment rund um den Globus ermöglichen.

Kein Umweg über Fonds ist indes erforderlich, wenn das Geld problemlos auch direkt investiert werden kann. Wer beispielsweise auf kurze Verfügbarkeit setzt, braucht dafür keinen Geldmarktfonds – selbst wenn dieser vergleichsweise geringe Spesen vorsieht. Wichtiger ist hier die Auswahl eines Instituts mit hohen Tagesgeldzinsen, bei dem keine weiteren Kosten anfallen. Auch bei einer Geldanlage in Rentenwerten ist – zumindest ab einer fünf- bis sechsstelligen Summe – kein Fonds erforderlich, um sich selbst ein Portefeuille zusammenzustellen. Hilfestellungen dazu bieten unter anderem die Internetseiten vieler Finanzdienstleister, eines der größten Angebote hält die Börse Stuttgart mit ihrem „Anleihefinder“ parat. Peter Jobst

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