ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 4/2012Gehtraining für Querschnittsgelähmte per Roboteranzug

Supplement: PRAXiS

Gehtraining für Querschnittsgelähmte per Roboteranzug

Dtsch Arztebl 2012; 109(45): [13]

Krüger-Brand, Heike E.

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Mit dem Robotersystem HAL können Querschnittsgelähmte ihre Mobilität verbessern und mehr Selbstständigkeit zurückgewinnen. Foto: dapd
Mit dem Robotersystem HAL können Quer­schnitts­gelähmte ihre Mobilität verbessern und mehr Selbst­ständigkeit zurückgewinnen. Foto: dapd
  • Das europaweit erste Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining hat im Herbst 2012 seine Arbeit aufgenommen. Das an das Universitätsklinikum Bergmannsheil (www.bergmannsheil.de) in Bochum angegliederte Zentrum soll vor allem querschnittsgelähmten Patienten zu mehr Mobilität verhelfen und ihnen dadurch mehr Selbstständigkeit ermöglichen.

Technische Grundlage hierfür ist das Robotersystem HAL (Hybrid Assistive Limb®; www.cyberdyne.jp), ein motorbetriebenes „Exo-Skelett“, das die Bewegung von Gliedmaßen effizient unterstützt und verstärkt. Von anderen Systemen unterscheidet es sich vor allem dadurch, dass es die nerveninduzierten Impulse des Patienten mit bioelektrischen Sensoren abgreift, um sich selbst und damit den Gelähmten in Bewegung zu setzen.

In Bochum sind zunächst fünf Therapiesysteme installiert, zehn sollen es werden. Die etwa 14 Kilogramm schweren Anzüge sind mit Sensoren sowie mehreren Computern ausgestattet, die an den Gelenken des Trägers sowie an dessen Rücken untergebracht sind. Der betreuende Physiotherapeut kann den Roboter detailliert steuern und jedes Gelenk im Hüft- und Kniebereich gezielt ansprechen. Die Roboteranzüge verfügen zudem über ein internetfähiges Kommunikationssystem, über das der Arzt die physische Konstitution des Patienten beim Training überwachen kann.

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Das System wurde in Japan von Prof. Dr. Yoshiyuki Sankai, Universität Tsukuba, entwickelt, der neben NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin an der Eröffnung des neuen Therapiezentrums teilnahm. Sankai ist außerdem Geschäftsführer der 2004 gegründeten Herstellerfirma Cyberdyne Inc., die einer der Kooperationspartner des Zentrums ist. In Japan sind derzeit bereits etwa 300 Exemplare des Roboteranzugs in 135 Einrichtungen im Einsatz.

Prof. Dr. med. Thomas Schildhauer, Ärztlicher Direktor des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil, hat den Roboteranzug an europäische Körpermaße angepasst und mit einzelnen Patienten die neuen Therapieoptionen über mehrere Monate getestet. Von den bisherigen Ergebnissen ist er begeistert: „Wir beobachten durch das Training mit dem Anzug eine deutlich gesteigerte Mobilität der gelähmten Patienten, einen intensivierten Muskelaufbau, mehr Muskelleistung und ein höheres Aktivitätsniveau.“

In kontrollierten klinischen Studien muss nun genau untersucht werden, für welche Patienten das System geeignet ist und welche Therapieansätze Nutzen bringen. Die nervengesteuerte Bewegungstherapie per Roboteranzug könnte künftig auch Schlaganfall-, Parkinson- und anderen bewegungsbehinderten und amputierten Patienten neue Therapiemöglichkeiten eröffnen. Nicht geeignet ist sie Schildhauer zufolge für Patienten mit starken Spastiken oder einer kompletten Querschnittslähmung. KBr

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