ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2012Deutsches Telemedizin-Portal: Die Erfahrungen anderer nutzen

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Deutsches Telemedizin-Portal: Die Erfahrungen anderer nutzen

Dtsch Arztebl 2012; 109(45): A-2258 / B-1842 / C-1806

Apitzsch, Felix

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Foto: Fotolia/varijanta
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Ein Informationsportal soll helfen, telemedizinische Lösungen schneller in den Regelbetrieb zu führen. Projektbeteiligte, Ärzte und Krankenhäuser können hierfür Daten zur Verfügung stellen und abrufen.

Der Einsatz telemedizinischer Methoden in der Patientenversorgung ist ein wichtiger Lösungsansatz zur Bewältigung der Folgen der demografischen Entwicklung sowie regionaler Versorgungsungleichgewichte. In zahlreichen Modellprojekten werden telemedizinische Anwendungen bereits erfolgreich erprobt, etwa in der Telediagnostik oder beim Telemonitoring. Dabei sind es häufig Ärzte, die – konfrontiert mit einem Versorgungsdefizit – die Initiative ergriffen haben, um ihre Patienten besser zu unterstützen.

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Viele Probleme ähneln sich

Obwohl die technischen, datenschutzrechtlichen und vertraglichen Anforderungen beim Aufbau eines telemedizinischen Projekts ähnlich sind, finden dennoch viele Projekte nicht den Einstieg in die Regelversorgung oder bleiben regional beschränkt. Vor allem die bisher fehlenden Finanzierungsmodelle in der Regelvergütung und die oft nur schwer zu führenden Evidenznachweise sind dafür Gründe. Ein neues Internetportal soll hier Abhilfe schaffen und dazu beitragen, die Telemedizin in der Breite in den Regelbetrieb zu überführen.

Das „Deutsche Telemedizin-Portal“, entwickelt vom Fraunhofer-Institut FOKUS, stellt Informationen über bestehende telemedizinische Projekte und Dienstleistungen zur Verfügung. Ziel ist es, Umsetzungshürden abzubauen und Kooperationen zwischen den Akteuren aus der Gesundheitsversorgung, der Politik und den Kostenträgern zu erleichtern. Das vom Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der E-Health-Initiative geförderte Portal wird bei der Fachmesse Medica am 14. November 2012 in Düsseldorf unter http://telemedizin.fokus.fraunhofer.de gestartet.

Viele Anwendungen sind über das Forschungsstadium hinaus und könnten in den Regelbetrieb überführt werden. Die Potenziale sind vor allem in Anbetracht der demografischen Entwicklung und der Bevölkerungsverlagerungen von ländlichen in städtische Räume offensichtlich. Das Telemedizinportal setzt hier an: Es sammelt die Erfahrungen aus telemedizinischen Projekten, präsentiert erfolgversprechende Lösungen und ermöglicht die gezielte Suche. Zielgruppe sind Personen mit fachlichem Bezug aus der Medizin sowie aus der Informations- und Medizintechnik, Kostenträger, Krankenhaus- und Praxisbetreiber, aber auch Patienten und interessierte Laien, die als potenzielle Nutzer für telemedizinische Lösungen sensibilisiert werden sollen.

Anbieter und Nutzer von E-Health-Lösungen können auf diese Weise „zusammenfinden“ und Anwendungen schneller als heute im Gesundheitswesen implementieren. Ein gelungenes Beispiel und damit Vorbild für das Portal stellt etwa die telemedizinische Versorgung von Schlaganfallpatienten dar, die in Bayern und Sachsen inzwischen fast flächendeckend angeboten wird (siehe www.tempis.de).

Telemedizin ist damit kein Treiber einer entpersonalisierten Versorgungsindustrie, sondern nutzt vielmehr die Möglichkeiten der Technik, um die medizinische Betreuung unabhängiger von Sprechzeiten und Praxisstandorten zu machen. „Dies kommt vor allem den Patienten zugute“, betont Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Telematikbeauftragter der Bundes­ärzte­kammer, die das Projekt begleitet. „Telemedizin kann uns in Zukunft helfen, die Reichweite ärztlichen Handelns deutlich zu vergrößern, um damit für unsere Patienten, unabhängig von deren Wohnort, eine qualitativ hochwertige Versorgung anzubieten.“

Mitwirkung erwünscht

Datenbasis des Portals sind die Erfahrungen und Berichte aus der Praxis. Bis Ende 2012 werden Informationen zu mehr als 200 telemedizinischen Leistungen und Projekten dokumentiert, von denen zum Start bereits etwa ein Viertel online einsehbar ist. Die Erfassung neuer Projekte wird kontinuierlich fortgesetzt.

Zur Pflege der Datenbasis ist das Portal auf die Mitwirkung von Beteiligten an entsprechenden Projekten und von Ärzten, die Telemedizin einsetzen, angewiesen. Ihre Informationen zu Aktivitäten und Erfahrungen sollen über das Portal für andere zugänglich gemacht werden. Hierzu können sich Telemedizinnetzwerke und -projekte, die an einer Aufnahme in das Portal interessiert sind oder Erfahrungsberichte beziehungsweise Studien beisteuern möchten, direkt an den Ansprechpartner des Fraunhofer FOKUS wenden.

Felix Apitzsch

Fraunhofer FOKUS, Kaiserin-Augusta-Allee 31, 10589 Berlin, felix.apitzsch@fokus.fraunhofer.de

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