ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2012Von schräg unten: Demenzprophylaxe

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Demenzprophylaxe

Dtsch Arztebl 2012; 109(45): [56]

Böhmeke, Thomas

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Sich um das Alter zu sorgen, bedeutet, sich um Krankheiten zu kümmern. Damit meine ich nicht die prekäre Finanzlage von Versorgungseinrichtungen oder den künftigen Pflegenotstand. Nein, auch wir Ärzte nehmen an dem allgemeinen Alterungsprozess teil, auch wenn wir der Meinung sind, dass Krankheiten von uns fernbleiben, weil wir diese schließlich studiert haben. Dennoch weist die Statistik aus, dass auch wir uns mit Verschleiß von Gelenken und Gefäßen auseinandersetzen müssen. Gegen solche Malaisen können wir uns operativ und pharmakologisch zur Wehr setzen, aber was ist mit den Gebrechen des Gehirns, der verschlissenen Vernunft, gar einer demenziellen Dekapitation?

Um diese Gefahr abzuwenden, also die Gyri geschmeidig und die Synapsen synchron zu halten, haben Kolleginnen und Kollegen unterschiedliche präventive Strategien entwickelt. Ein sehr geschätzter Kollege studiert nebenher Mathematik; Binomialkoeffizienten, kartesische Koordinaten und Integrale sollen die Integrität des Intellekts erhalten. Das ist mir, der auf dem Gymnasium bei Kurvendiskussionen aus eben diesen flog, zu hoch. Eine ebenso kundige wie sympathische Kollegin nimmt erfolgreich am Triathlon teil. Triezt den Trapezius und quält den Quadrizeps, um mit großem Glücksgefühl die Ziellinie zu erreichen. Das ist mir, der schon zu Schulzeiten immer als Letzter einer Mannschaft zugelost wurde, zu schweißtreibend und schmerzhaft. Ein von mir verehrter Kollege nutzt seine Urlaube, um im fernen China seine medizinischen Künste zu erweitern, um über den Tellerrand hiesiger Therapien zu schauen; unsere einfach blinde Einheitsmedizin und randomestizierte Rigorosmedizin hinter sich lassend. Ich für meinen Teil schaffe es gerade bis zur nächsten Großstadt, um meinen Fortbildungspflichten nachzukommen.

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Bei all diesem kann ich nicht mithalten, muss also eingestehen: Ich bin ein Risikofaktor für rasches mentales Verdämmern. Vielleicht ist das an den Glossen ablesbar, die ich schon mehr als zehn Jahre an das Deutsche Ärzteblatt schicke. Ich will das aber gar nicht so genau wissen und gehe lieber in die Praxis. Dort sind mehr als 40 000 Patienten erfasst. Das heißt 40 000 Anamnesen, Untersuchungen, Ultraschallbefunde, Laborwerte, Elektrokardiogramme, sogar Herzkatheter und Schrittmacher. All diese Daten muss ich parat haben. Wenn ich mir das vor Augen halte, so ist . . . also man könnte . . . ja, die Arbeit in der Praxis ist vielleicht auch eine Form der Demenzprophylaxe. Da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, uns bis über 80 Jahre arbeiten zu lassen, sozusagen aus gesundheitlichen Gründen . . .

Meine Güte, was schreibe ich da für einen Mist?! Halt! STOP! Herr Redakteur, drucken Sie diese Glosse um Himmels willen nicht ab!

Mist, zu spät.

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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