ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012Psychische Gesundheit: Türkische Migranten stärker belastet

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Psychische Gesundheit: Türkische Migranten stärker belastet

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 486

Hillienhof, Arne

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Türkische Migranten sind in Deutschland oft psychisch stärker belastet als die Durchschnittsbevölkerung. Außerdem nehmen Migranten manche psychosoziale Hilfsangebote in geringerem Maße wahr als Deutsche. Das sind zwei Ergebnisse des von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojektes zur Seelischen Gesundheit und Migration.

Muttersprachliche Angebote sind für türkische Migranten von besonderer Bedeutung. Foto: dpa
Muttersprachliche Angebote sind für türkische Migranten von besonderer Bedeutung. Foto: dpa

Laut dem Statistischen Bundesamt hatte 2011 etwa jeder fünfte Bundesbürger einen Migrationshintergrund. Die Wissenschaftler haben bundesweit epidemiologische Daten zum seelischen Wohlbefinden von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in deutscher und türkischer Sprache erfasst.

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Aus einem Vergleich mit dem aktuellen Bundesgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts ergaben sich Hinweise auf eine erhöhte psychische Belastung bei Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Außerdem wurde deutlich, dass sich die Vorstellungen bei bestimmten psychischen Krankheitsbildern unterscheiden. Dabei spielten nicht nur kulturelle Unterschiede eine Rolle, sondern auch der Bildungshintergrund und die soziale Situation. Dies könne im Verlauf der Behandlung zu Missverständnissen führen, so die Wissenschaftler.

Die Studie zeigte ferner erneut die Bedeutung muttersprachlicher Angebote für die Gruppe der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund auf. Dabei geht es offenbar nicht nur um das Sprachverständnis. Die befragten Migranten vermuteten auch ein besseres Einfühlungsvermögen bei Therapeuten mit derselben Muttersprache. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind längst nicht alle gesundheitlichen Versorgungseinrichtungen auf Migranten eingestellt, zum Beispiel ist oft nicht geregelt, wer die Kosten für die Dolmetscher übernimmt.

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. hil

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