ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012Interview mit Prof. Dr. med. Werner Schlake: Gefahr für das Ganze

POLITIK: Das Interview

Interview mit Prof. Dr. med. Werner Schlake: Gefahr für das Ganze

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 492

Rieser, Sabine

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Prof. Dr. med. Werner Schlake, Präsident des Berufsverbands der Pathologen
Prof. Dr. med. Werner Schlake, Präsident des Berufsverbands der Pathologen

Der Präsident des Berufsverbands der Pathologen will nicht, dass niedergelassene Kollegen beplant werden.

Herr Professor Schlake, niedergelassene Pathologen sollen vom nächsten Jahr an in die Bedarfsplanung einbezogen werden. Ist das sinnvoll?

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Schlake: Nein, unnötig. Es sind nur rund 700 Pathologen dem ambulanten Bereich zugeordnet. Unser Anteil am Honorarvolumen beträgt 0,6 Prozent. Pathologen insgesamt machen nur 0,4 Prozent aller Ärzte aus. Dazu kommt: Unsere Fachgruppe wird ausschließlich von anderen Fachgruppen beauftragt. Wir haben also auf die Menge an Aufträgen gar keinen Einfluss.

Drängen viele in die Niederlassung?

Schlake: Die Zulassungszahlen sind seit Jahren ziemlich stabil. Allenfalls in Hamburg und Berlin ist das etwas anders. Nur: Wenn vor Ort mehr Pathologen arbeiten, haben sie insgesamt nicht mehr zu untersuchen. Die Gesamtzahl der Fälle bleibt ja gleich.

Aber es besteht die Sorge, Pathologen könnten bald erheblich mehr Geld benötigen. Stichwort: Molekularbiologie.

Schlake: In der Pathologie geht es, wenn es um molekularbiologische Analysen geht, fast nur um Tumorbiologie. Da wir die jährlichen Neuerkrankungsraten kennen, können wir ausrechnen, welche Gelder wir für molekularbiologische Verfahren benötigen. Deshalb kann von einer Kostenexplosion keine Rede sein. Nehmen Sie Brustkrebs. Wir wissen, dass etwa 70 000 Frauen pro Jahr neu daran erkranken. Für einen Gensignaturtest kommt etwa ein Drittel von ihnen in Frage. Er kostet natürlich Geld, aber der Test macht bei einem Teil der Frauen eine Chemotherapie überflüssig.

In Zukunft könnte es weitere Tests geben – und Ausgabensteigerungen.

Schlake: Noch beträgt der Honoraranteil, der für molekularbiologische Tests abgerechnet wird, nur ein Prozent des Umsatzes eines Pathologen. Natürlich ergibt sich für die Zukunft möglicherweise eine Vielzahl von Optionen. Das könnte tatsächlich teuer werden. Aber dann muss man diskutieren, was aus der Werkstatt der Medizin in die Routineversorgung übernommen wird. Es kann nicht sein, dass man einem Innovationsdruck in manchen Fächern dadurch entgegenwirkt, dass man strukturelle Maßnahmen ergreift wie zum Beispiel in Form einer neuen Bedarfsplanung.

Was würde eine Beplanung im ambulanten Bereich für Ihr Fach bedeuten?

Schlake: Ich fürchte fatale Rückwirkungen. Die Pathologie ist bisher ein ganzheitliches Fach. Jeder von uns beherrscht die Diagnostik für den ambulanten und den stationären Bereich. Wir sind in einer Person Grund- wie auch Spezialversorger, je nach Aufgabenstellung. Im Gegensatz zu anderen Fächern gibt es bei uns Kollegen, die Ordinarien sind und gleichzeitig mit mehreren Kollegen in einer Berufsausübungsgemeinschaft niedergelassen. Oder niedergelassene Pathologen, die auch Chefarzt an einer Klinik sind. Hier die ambulante, dort die stationäre Pathologie – das gibt es im Grunde nicht. Durch die geplante Bedarfsplanung würde sich das ganze Gebiet rückentwickeln in einen ambulanten und einen stationären Bereich. Das wäre ein Rückschritt, denn wir wollen diese Grenzen doch auflösen.

Das Interview führte Sabine Rieser

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