ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012KBV-Krankenkassen-Navigator: Ärzte bewerten Krankenkassen

POLITIK

KBV-Krankenkassen-Navigator: Ärzte bewerten Krankenkassen

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 493

Korzilius, Heike; Krüger-Brand, Heike E.

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Seit Ende September können niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten im sogenannten Krankenkassen-Navigator das Verhalten der Kassen im Praxisalltag bewerten. Die Durchschnittsnote 4,1 lässt Raum für Verbesserungen.

Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt man sich zufrieden. „Der Krankenkassen-Navigator ist ein seriöses Tool, das von den Ärzten angenommen wird“, sagt deren Sprecher, Dr. Roland Stahl. Etwa 300 Ärzte und Psychotherapeuten haben seit dem 28. September die Möglichkeit genutzt, das Verhalten der Krankenkassen im Praxisalltag online zu bewerten. Mit einer Durchschnitts(schul)note von 4,1 fällt das Ergebnis dabei aber eher mäßig aus. Am besten von den bislang elf bewerteten Kassen schneidet die Techniker-Krankenkasse ab (2,8), am schlechtesten die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland (4,9). Freigeschaltet werden Noten und persönliche Kommentare erst, wenn mindestens zehn seriöse Bewertungen für eine Kasse vorliegen (Kasten).

„Mit diesem Instrument haben wir endlich die Möglichkeit, auch einmal das Verhalten der Krankenkassen transparent zu machen“, hatte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Andreas Köhler, zum Start des Internetportals erklärt. „Denn wenn die Versicherten Ärzte bewerten – was völlig in Ordnung ist, solange bestimmte Kriterien eingehalten werden –, dann sollen sie auch mal sehen, ob und wie eigentlich ihre Kasse dazu beiträgt, eine gute Versorgung zu unterstützen – oder eben nicht.“ Bislang erführen die Patienten kaum, ob ihr behandelnder Arzt von der Krankenkasse reibungslos unterstützt werde oder ob es bürokratische Hindernisse gebe.

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Kritik bleibt sachlich

Eine Aufforderung zum Kassen-Bashing, wie das „Handelsblatt“ vermutete? Offenbar nicht. Denn obwohl das Verhältnis zwischen Ärzten und Krankenkassen aufgrund der Auseinandersetzungen um die Honorarzuwächse im Jahr 2013 zurzeit stark angespannt ist, überwiegen bei den Freitexten die sachlichen Kommentare. Ärzte und Psychotherapeuten kritisieren insbesondere lange Genehmigungs- und Bearbeitungszeiten für therapeutische Leistungen, Heil- oder Hilfsmittel. Und während bei der Bewilligung notwendiger Leistungen gemauert werde, bezahlten manche Kassen unsinnige alternative Therapien, lautet die Kritik. Für Unmut sorgten bei zahlreichen Kommentatoren auch „unseriöse Versorgungsversprechen“ der Krankenkassen, nach dem Motto: „Wir zahlen alles, was der Arzt verschreibt.“ Aus der wirtschaftlichen Haftung entlasse man den Arzt aber nicht. Bemängelt wird zudem oft die fachliche Kompetenz der Kassenmitarbeiter.

Der Trend bislang: Die eher kritischen Bewertungen überwiegen und lassen ein deutliches Potenzial für Verbesserungen erkennen. Hierin unterschiedet sich der Kassen-Navigator von ähnlichen Portalen der Krankenkassen, in denen Patienten ihre Ärzte bewerten können: Eine im Februar 2012 veröffentlichte Auswertung des IGES-Instituts zu den Bewertungen der „Weissen Liste“ etwa hatte ergeben, dass die meisten Patienten sehr zufrieden mit ihrem Arzt beziehungsweise seiner Praxisorganisation waren.

Lob für Mitarbeiter „vor Ort“

Doch auch der Kassen-Navigator kennt Lob – vor allem für Kassenmitarbeiter „vor Ort“: keine Hotlines, kurze Wege, verlässliche Ansprechpartner, die den chronisch kranken Patienten kennen und mit denen man „telefonisch einiges an Papier vermeiden kann“.

Heike Korzilius, Heike E. Krüger-Brand

Wer kann wie teilnehmen?

www.krankenkassen-navigator.kbv.de: Vertragsärzte und -psychotherapeuten müssen sich mit ihrem vollständigen Namen, ihrer lebenslangen Arztnummer und einer E-Mail-Adresse registrieren, bevor sie eine Bewertung abgeben oder an einer aktuellen Umfrage zum Verhalten der Kassen teilnehmen können. Dies soll Mehrfachbewertungen durch einen Arzt verhindern. Die KBV überprüft zudem in Stichproben, ob die Arztnummer mit der angemeldeten Person übereinstimmt.

Anschließend kann der registrierte Nutzer eine Kasse in fünf Kategorien – Therapiefreiheit, Regresse, Bürokratie, Selektivverträge sowie Service und Information – nach Schulnoten von eins bis sechs bewerten. Hierzu ist eine Liste aller rund 140 gesetzlichen Krankenkassen hinterlegt. Freitextangaben sind möglich. Sie werden redaktionell kontrolliert, um etwa diffamierende Äußerungen auszuschließen.

Erst wenn zehn Bewertungen zu einer Krankenkasse vorliegen, werden die Ergebnisse frei zugänglich online veröffentlicht. Angezeigt werden die Anzahl der Bewertungen sowie die gerundete Gesamtbewertung. Durch Klick auf eine bewertete Kasse kann der Nutzer zusätzlich eine detaillierte Übersicht aller Bewertungen und Kommentare abrufen. Außerdem sind über das „Krankenkassen-Ranking“ auf der Website die jeweils zehn am besten und am schlechtesten bewerteten Krankenkassen aufgeführt.

Achtung: Der Krankenkassen-Navigator der KBV ist nicht zu verwechseln mit der Vielzahl von Krankenkassen-Vergleichen, die bereits im Internet verfügbar sind (wie gesetzlichekrankenkassen.de, krankenkassentarife.de). Hierbei handelt es sich um Portale für Versicherte, die über Tarife, Zusatzversicherungen und Leistungen der Kassen informieren.

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