ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012Psychopathen: Charakteristische Merkmale des Gehirns

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Psychopathen: Charakteristische Merkmale des Gehirns

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 504

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Lassen sich Persönlichkeitsmerkmale und -störungen an der Gehirnstruktur erkennen? In letzter Zeit häufen sich Berichte, dass dies eingeschränkt möglich ist. So berichten jetzt beispielsweise Hirnforscher um Elsa Ermer von der University of New Mexico (Albuquerque, USA), dass das Gehirn von Psychopathen einige Besonderheiten im Vergleich zum Gehirn von Nichtpsychopathen aufweist. Sie fanden dies heraus, indem sie die Gehirne von 296 Gefangenen mit Hilfe der voxel-basierten Morphometrie vermaßen. Dazu griffen sie auf Bilder der Gehirne zurück, die durch Kernspintomographie gewonnen wurden. Sie stellten fest, dass bei Psychopathen sehr häufig die graue Substanz in einigen Arealen des limbischen und paralimbischen Systems reduziert ist, etwa im bilateralen Parahippocampus, in der Amygdala und im orbitofrontalen Kortex. Daraus schließen die Autoren, dass diese Gebiete eine Rolle bei Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen spielen, denn solche Fähigkeiten und Regungen fehlen Psychopathen gänzlich. Befunde wie diese werfen zum einen die Frage auf, ob computergestützte Untersuchungen des Gehirns so aussagekräftig und zuverlässig sind, dass auf herkömmliche diagnostische Verfahren zur Feststellung von Persönlichkeitsstörungen künftig verzichtet werden kann. Zum anderen stellt sich die Frage, ob Psychopathen schuld an ihrem Zustand sind und zur Rechenschaft für ihre Taten gezogen werden können, da sie offenbar unter einer angeborenen oder erworbenen Veränderung des Gehirns leiden, für die sie nicht verantwortlich sind. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es Methoden gibt, mit deren Hilfe die betroffenen Hirnareale wieder normalisiert und die Psychopathie geheilt werden könnten. ms

Ermer E, Cope L, Calhoun V, Nyalakanti P, Kiehl K: Aberrant paralimbic gray matter in criminal psychopathy. Journal of Abnormal Psychology 2012; 121(3): 649–58. MEDLINE

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