ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012Chronischer Stress: Ängste und Depressionen können Leben verkürzen

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Chronischer Stress: Ängste und Depressionen können Leben verkürzen

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 521

Meyer, Rüdiger

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Menschen, die chronischen Stress nicht verarbeiten können, leben gefährlich. In einer prospektiven Kohortenstudie im „Britischen Ärzteblatt“ waren bereits leichte mentale Störungen, die bei einem Viertel der Bevölkerung nachweisbar waren, mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert.

Eine Stichprobe von Einwohnern in Großbritannien im Alter über 35 Jahre musste in den Jahren 1994 und 2004 unter anderem den General Health Questionnaire ausfüllen. Es handelt sich um einen Fragebogen zum allgemeinen Gesundheitszustand, der sich auch nach Ängsten, Depressionen, sozialen Problemen und Vertrauensverlusten erkundigt.

Das Team um den Epidemiologen David Batty vom University College London verknüpfte die Angaben im General Health Questionnaire mit den Daten des National Health Service, der auch die Todesursachen registriert. Ergebnis: Menschen mit psychologischem Distress haben ein erhöhtes Sterberisiko. Gefährdet waren nicht nur die wenigen Personen, bei denen aufgrund der Angaben im Fragebogen vermutlich eine symptomatische oder hochsymptomatische mentale Störung vorlag.

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Dass ihr Sterberisiko um 37 und 67 Prozent erhöht war, überraschte Batty nicht, da Depressionen ein bekanntes Risiko für Suizide und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Der Epidemiologe ermittelte jedoch auch für Personen mit subklinischen mentalen Störungen ein um 16 Prozent erhöhtes Sterberisiko. In diese Kategorie fiel ungefähr ein Viertel aller Befragten. Es handelt sich um Personen, die wegen ihrer Ängste und Depressionen in aller Regel keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Die meisten Todesfälle entfielen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Sterberisiko stieg hier je nach Schweregrad der mentalen Störungen um 25 bis 72 Prozent. Deutlich höher war das relative Risiko, durch „externe Ursachen“ um das Leben zu kommen. Darunter fallen alle Arten von Unfällen, einschließlich Vergiftungen, ebenso Suizide, die ein bekanntes Risiko bei mentalen Störungen sind. Externe Todesursachen waren bei den Personen mit mentalen Störungen bis zu 3,2-fach häufiger.

Aufgrund der großen Anzahl von mehr als 68 000 Teilnehmern waren die Assoziationen statistisch signifikant. Die „dosisabhängige“ Auswirkung der mentalen Störungen spricht für einen kausalen Zusammenhang, den die Studie aber nicht beweisen kann. Vorstellbar wäre auch eine reverse Kausalität: Es könnte sein, dass die mentalen Symptome nicht Ursache, sondern erste Symptome oder Folgen von chronischen Erkrankungen sind, die schließlich zum Tode führen. rme

Russ TC, Stamatakis E, Hamer M, Starr JM, Kivimäki M, Batty GD: Association between psychological distress and mortality: individual participant pooled analysis of 10 prospective cohort studies, BMJ 2012; 345: e4933. MEDLINE

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