ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2012Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Führung durch sämtliche idealtypischen Situationen der Therapie

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Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Führung durch sämtliche idealtypischen Situationen der Therapie

PP 11, Ausgabe November 2012, Seite 525

Naumann-Lenzen, Michael

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Nachdem zum Richtlinienverfahren tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) für Erwachsene bereits etliche Monografien vorliegen, ist es für den Bereich Kinder und Jugendliche jetzt das dritte Buch.

Geleitwort und Einleitung verdeutlichen sofort, dass man sich in der TP auf vermintem Gelände bewegt: Die fundierende Anbindung – und Abgrenzung – zur Psychoanalyse, aber auch die größere Rezeptionsoffenheit zu außeranalytischen Verfahren und Methoden werfen immer wieder Legitimationsprobleme auf, die eher einer ideologischen Verkrampfung geschuldet sind, statt sich an einem Verfahrenspragmatismus à la „what works for whom?“ zu orientieren. Diese Befangenheit prägt leider auch den argumentativen Duktus des Buches. Das ist deshalb bedauerlich, da viele erfahrene Kollegen ihr methodisch-therapeutisches Repertoire im Laufe ihrer Karriere unter Wahrung einer grundsätzlich psychodynamischen Grundhaltung erweitert und längst adjuvante Methoden integriert haben (etwa Hypnotherapie, Familientherapie, EMDR). Den Anschluss zu dieser „real existierenden“ Therapiewirklichkeit verfehlt das Buch; in dieser Hinsicht fällt es hinter Standards zurück, die Wöller und Kruse mit ihrem Handbuch „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ für die Erwachsenentherapie bereits gesetzt hatten.

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Die Gründe, weshalb dieses Buch dennoch zu empfehlen ist, liegen woanders: Es überzeugt vor allem in seinem didaktischen Aufbau, in seiner sprachlich-begrifflichen Präzision und seiner Anschauungsfülle. Dem Leser werden zunächst die theoretischen Grundannahmen der Psychoanalyse vorgestellt. Wermutstropfen: Der Autor beschränkt sich fast ausschließlich auf den klassisch-psychoanalytischen „Kanon“; der aktuelle psychoanalytische Diskurs wird vermisst. Im Weiteren orientiert er sich dann in der Verfahrensdarstellung am therapeutischen Phasenverlauf, wobei er zur Illustration mit einer Fülle von Fallvignetten aufwartet – zweifellos der größte Vorzug des Buches. Im Anhang findet man zudem eine hilfreiche Fallauflistung sowie einen Index. Der Leser wird durch sämtliche – idealtypischen – Stationen einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geführt, und er erhält gleichzeitig durch die vielen Beispiele immer wieder eine Idee davon, wie sich das erworbene Wissen im therapeutischen Handeln darstellen könnte. Insofern ist dieses Buch ideal für Ausbildungskandidaten. Den erfahrenen Therapeuten muss es aus den erwähnten Gründen eher enttäuschen.

Michael Naumann-Lenzen

Arne Burchartz: Psychodynamische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Das tiefenpsychologisch fundierte Verfahren: Basiswissen und Praxis. Kohlhammer, Stuttgart 2012, 288 Seiten, kartoniert, 32,90 Euro

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