ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2012Honorararztwesen in Deutschland: Die Qualitätsfrage

POLITIK

Honorararztwesen in Deutschland: Die Qualitätsfrage

Dtsch Arztebl 2012; 109(46): A-2290 / B-1865 / C-1829

Schäfer, Nicolai

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Der Gesetzgeber hat klargestellt, dass Krankenhäuser bei der Erbringung von Krankenhausleistungen auf Honorarärzte zurückgreifen dürfen. Der Bundesverband der Honorarärzte legt jetzt ein Qualitätszertifikat für Honorarärzte auf.

Foto: mauritius images
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Alle von Honorarvertretungsärzten in den Kliniken erbrachten Leistungen können ab 2013 eindeutig als Krankenhausleistungen abgerechnet werden. So sieht es der geänderte § 2 des Krankenhausentgeltgesetzes vor, der dann in Kraft tritt. Demnach sind auch Leistungen, die durch nichtfestangestellte Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern erbracht werden, zu den Krankenhausleistungen zu zählen.

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In der Neuformulierung des § 2 hat der Gesetzgeber auch Aussagen zu den qualitativen Rahmenbedingungen der Beauftragung und Tätigkeit von Honorarvertretungsärzten gemacht. In Absatz 3 heißt es: „Bei der Erbringung von allgemeinen Krankenhausleistungen durch nicht im Krankenhaus fest angestellte Ärztinnen und Ärzte hat das Krankenhaus sicherzustellen, dass diese für ihre Tätigkeit im Krankenhaus die gleichen Anforderungen erfüllen, wie sie auch für fest im Krankenhaus angestellte Ärztinnen und Ärzte gelten.“ Durch diese gesetzliche Regelung gewinnt das Thema der Qualität im Honorararztwesen erheblich an Bedeutung.

Der Bundesverband der Honorarärzte hat sich seit seiner Gründung 2008 immer wieder mit Qualitätsfragen beschäftigt und unter anderem Empfehlungen zur Qualifikation von Honorarvertretungsärzten, zur Berufshaftpflichtversicherung, zur Beachtung von Strahlen- und Arbeitsschutzregeln sowie zu Vorgaben aus dem Medizinproduktegesetz erarbeitet.

Das gesunde Maß

Viele Mitglieder des Honorararztverbandes folgen diesen Empfehlungen. Inwieweit aber Auftraggeber und Vermittler dies tun, kann nicht quantifiziert werden. Jedoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei der Auswahl und Beauftragung von Honorarvertretungsärzten vor allem um einen Faktor geht: die Kosten der ärztlichen Dienstleistung. Dies darf auf Dauer nicht so bleiben.

In der Vergangenheit wurde viel über die Vergütung der honorarärztlichen Leistung debattiert. Die wichtige Bedeutung der honorarärztlichen Tätigkeit für das Gesundheitswesen wird dagegen kaum gewürdigt: die Sicherstellung der Patientenversorgung. In Situationen personeller Not sind hochqualifizierte Spezialisten bereit, kurzfristig einzuspringen und auszuhelfen. Sie können und wollen jedoch nicht ein gut funktionierendes Abteilungsteam ersetzen, sondern tragen lediglich durch Kompensation von Personalmangel oder in Zeiten hoher Arbeitsdichte zur Entlastung und Fortbestand des Teams bei.

So wie es ein „gesundes Maß“ für die Anzahl von Ärzten mit eingeschränkten Sprachkenntnissen oder Berufsanfängern in einer Klinik gibt, so gibt es auch ein gesundes Maß für die Anzahl von Honorarvertretungsärzten. Zudem sind nicht alle Einsatzbereiche innerhalb einer Klinik gleichermaßen für den sinnvollen und effizienten Einsatz von Honorarärzten geeignet. Dies ist von den gegebenen Umständen und lokalen Strukturen abhängig.

Es geht darum, den Einsatz von Honorarvertretungsärzten langfristig derart zu gestalten, dass dieser für die Ärzte und für ihre Auftraggeber rechtssicher und qualitativ hochwertig ist. Rechtssicherheit und qualitative Praktikabilität sind – neben den Kosten – ausschlaggebend dafür, ob das Honorararztmodell sich hierzulande langfristig stabilisieren und etablieren kann.

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesverband der Honorarärzte jetzt ein Qualitätszertifikat für Honorarärzte aufgesetzt, das zum langfristigen Gelingen des Kooperationsmodells Honorararzt/Klinik beitragen soll. Ziel ist es, ein rechtlich verbindliches Zertifizierungsmodell anzubieten, das einerseits als Alleinstellungsmerkmal professioneller Honorarvertretungsärzte kennzeichnend werden soll und andererseits die Rechtssicherheit und Praktikabilität der honorarärztlichen Tätigkeit insgesamt erhöht.

Verbürgte Strukturqualität

Voraussetzung für die Akzeptanz eines solchen Zertifikats ist, dass es tatsächlich rechtlich verbindlich für die Strukturqualität eines Honorarvertretungsarztes „bürgen“ kann. Der Bundesverband der Honorarärzte garantiert deshalb nach Abschluss des Zertifizierungsprozesses verbindlich haftend und notariell unterstützt das Vorliegen und Einhalten folgender Tatbestände zum Zeitpunkt der Zertifizierung:

  • Der Honorararzt ist im Besitz einer gültigen Approbation als Arzt beziehungsweise einer gültigen Berufserlaubnis und hat diese nach ordentlichem Abschluss eines Medizinstudiums erworben.
  • Der Honorararzt ist Facharzt im Sinne der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung.
  • Der Honorararzt ist frei von Vorstrafen bezüglich ärztlicher Tätigkeiten.
  • Der Honorararzt ist im (fakultativen) Besitz von ergänzenden Zusatzbezeichnungen, Fachkunden und sonstigen Zusatzqualifikationen gemäß seiner Angaben.
  • Der Honorararzt erfüllt die Anforderungen der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung entsprechend G 42 und ist ausreichend krankenversichert.
  • Der Honorararzt verfügt über die für die Ausübung des ärztlichen Berufs notwendigen Sprachkenntnisse in Wort und Schrift.
  • Der Honorararzt ist zum Zeitpunkt der Zertifizierung mindestens seit einem Jahr in Vollzeit oder seit zwei Jahren in Teilzeit als Honorararzt in Deutschland tätig beziehungsweise weist eine entsprechende mehrjährige Berufserfahrung als Facharzt in verschiedenen Einsatzbereichen nach.
  • Der Honorararzt hat mindestens drei positive Referenzen aus vorhergehenden Aufträgen vorgelegt. Diese wurden im persönlichen Kontakt inhaltlich bestätigt.
  • Der Honorararzt bildet sich regelmäßig in seinem Fachgebiet, entsprechend den Anforderungen der Ärztekammern, fort.
  • Der Honorararzt verfügt über wesentliche Kennzeichen einer selbstständigen und freiberuflichen Tätigkeit im Sinne des Arbeits- und Sozialrechts. Unter anderem sind dies die selbstständige Versteuerung seiner Einnahmen, die Tätigkeit für mehrere Auftraggeber, die Außendarstellung als selbstständiger Unternehmer und das Vorhandensein von für den Selbstständigen kennzeichnenden Versicherungen, wie etwa die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft. Er ist für seinen Tätigkeitsbereich ausreichend berufshaftpflichtversichert.
  • Der Honorararzt ist ordentliches Mitglied einer Ärztekammer und regelrecht rentenversichert (Mitgliedschaft in einem Ärzteversorgungswerk oder über die Deutsche Rentenversicherung Bund).
  • Der Honorararzt verpflichtet sich zur kollegialen Zusammenarbeit im Sinne der Berufsordnung und zur gewissenhaften Ausübung seiner Tätigkeit in kooperativer Art und Weise.
  • Der Honorararzt besitzt grundsätzliche betriebswirtschaftliche Kenntnisse und kennt die gesetzlichen Rahmenbedingungen seiner Tätigkeit.

Der Erwerb des Zertifikats ist freiwillig. Das Zertifikat wird zunächst für die Dauer eines Jahres ausgestellt. Teile des Zertifikats werden in regelmäßigen Zeitabständen validiert (Rezertifizierung). Das Zertifikat kann ausschließlich durch ein persönliches Vorstellungsgespräch in der Geschäftsstelle des Honorararztverbandes in Berlin beantragt werden. Ein Notariat überprüft im Anschluss daran sämtliche, im Original vorzulegenden Dokumente durch schriftliche Anfrage bei den ausstellenden Stellen. Zum Ende des Zertifizierungsprozesses erhält der Honorararzt neben einer Urkunde in Papierform die notariell signierten Dokumente zusätzlich auf einem elektronischen Datenträger. Dadurch entsteht ein rechtlich gültiger elektronischer „Dokumentensave“, der bei einem Verlust von Urkunden den Nachweis erleichtern hilft. Bei Einwilligung des Honorararztes werden alle Dokumente zusätzlich beim Honorararztverband abgespeichert und können so jederzeit angefordert werden.

Einladung zur Diskussion

Mit dem Qualitätszertifikat für Honorarvertretungsärzte geht der Bundesverband der Honorarärzte in Vorleistung. Allerdings ist es nicht die Strukturqualität des Honorararztes allein, die zum Gelingen eines Einsatzes beiträgt. Immer wieder erhält der Verband beispielsweise Verträge von seinen Mitgliedern, die einer Überprüfung durch die Deutsche Rentenversicherung nicht standhalten, sondern ein Angestelltenverhältnis begründen. Auch die Krankenhäuser müssen also ihre Hausaufgaben machen. Dabei sind auch die gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf die rechtskonforme Einweisung nach dem Medizinproduktegesetz oder die Regelungen zum Strahlenschutz zu beachten.

Ziel des Qualitätszertifikats ist es, den Fokus im Honorararztwesen von den rein finanziellen Aspekten auf das Thema Qualität zu lenken. Es soll dem Honorararzt ein Alleinstellungsmerkmal verleihen – ohne ihn zusätzlich bürokratisch zu belasten. Der Bundesverband der Honorarärzte stellt sich mit dieser Erstveröffentlichung der Inhalte und Elemente des Zertifikats im Deutschen Ärzteblatt einer innerärztlichen und öffentlichen Diskussion, die durchaus kritisch zu führen sein wird.

Dr. med. Nicolai Schäfer,
Erster Vorsitzender und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Honorarärzte, Berlin

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