ArchivDeutsches Ärzteblatt46/201260 Jahre Berufsverband der deutschen Dermatologen: Erfolgreicher Kooperationsdruck

POLITIK

60 Jahre Berufsverband der deutschen Dermatologen: Erfolgreicher Kooperationsdruck

Dtsch Arztebl 2012; 109(46): A-2286 / B-1863 / C-1827

Schlitt, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Gemeinsame Projekte wie eine Fortbildungsakademie verbinden Berufsverband und Fachgesellschaft seit vielen Jahren, daran erinnerte Michael Reusch anlässlich des Jubiläums. Foto: Reinhold Schlitt
Gemeinsame Projekte wie eine Fortbildungsakademie verbinden Berufsverband und Fachgesellschaft seit vielen Jahren, daran erinnerte Michael Reusch anlässlich des Jubiläums. Foto: Reinhold Schlitt

Zu den größten Herausforderungen in der Zukunft zählt Verbandspräsident Michael Reusch die Zunahme altersbedingter Hauterkrankungen und die Heranführung junger Ärztinnen und Ärzte an das Fach Dermatologie.

Der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Prof. Dr. med. Rudolf Stadler, bescheinigte dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) bei einem Festakt Anfang November in Berlin eine historische Wiederaufbauleistung: „Es war das große Verdienst unserer Väter, die Dermatologie nach dem Krieg auf wissenschaftlicher Seite wieder in die Weltgemeinschaft zu führen und auch die flächendeckende Versorgung in der Nachkriegszeit sicherzustellen. Wir konnten das Organfach Dermatologie trotz vieler Angriffe erhalten.“

Anzeige

Dafür werden die Dermatologen nach Stadlers Überzeugung international nach wie vor bewundert. Parallel zum medizinischen Fortschritt seien unzählige Gesundheitsreformen in Deutschland verabschiedet worden, die einen hohen Kooperationsdruck auf die beiden dermatologischen Gesellschaften bewirkt und schließlich zu einer engen Zusammenarbeit geführt haben. Diese sei beispielgebend für andere ärztliche Berufsverbände, lobte Stadler: So sind DDG und BVDD Träger des am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf angesiedelten Zentrums für Versorgungsforschung in der Dermatologie und Venerologie sowie der Deutschen Dermatologischen Akademie.

BVDD-Präsident Dr. med. Michael Reusch bewertete die 1999 erfolgte Gründung der gemeinsamen Akademie als eine sehr frühzeitige Initiative zur Strukturierung der Fortbildung, lange vor Einführung der „Zwangsfortbildung“. Initiiert und betreut werden unter anderem flächendeckend Qualitätszirkel. Beide Verbände arbeiten auch zusammen an Leitlinien. Zudem sei es gelungen, sich „relativ zeitnah auf Veränderungen in der Gesundheitspolitik einzustellen“. Zu den Erfolgen zählt der BVDD-Präsident das Hautkrebsscreening, das wesentlich auf die Initiative der Dermatologen hin etabliert wurde.

Allerdings wurden die Dermatologen ermahnt, bei solchen Initiativen nicht stehen zu bleiben. So verwies der Gesundheitsökonom und Pharmazeut Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen darauf, dass das Hautkrebsscreening auch Hausärzte übernehmen. Studien des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung in Deutschland würden aber belegen, dass die Schulungen bei Dermatologen zu höheren Trefferquoten führen (siehe dazu auch DÄ, Heft 41/2010). Glaeske plädierte dafür, diese Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

Er sieht auch die Notwendigkeit, fachfremde Einflüsse auf dermatologische Behandlungsfelder zu analysieren. So würden bei der Psoriasis „Dermatologen häufig topisches Cortison oder andere topische Arzneimittel nutzen, während in fachfremden Arztgruppen wie Allgemeinärzten und Internisten oft auf neue Strategien wie antipsoriatische Biologicals zurückgegriffen wird“. Die Hautärzte sollten abwägen, „ob es denkbar (ist), dass andere Fachgruppen mit hoher Kompetenz solche Mittel einsetzen“.

Suche nach Strategien

Den Dermatologen dürfte es nicht leichtfallen, fachfremde Kollegen in ihre Schranken zu weisen, mit denen man vielleicht in der Versorgung enger als bisher zusammen arbeiten muss. Denn für die Zukunft rechnet der BVDD mit einer erheblichen Zunahme des Behandlungsbedarfs. „Wir wissen, dass die Zahl altersbedingter Erkrankungen, wie Hautkrebs und hautentzündliche Erkrankungen, steigt. Da wird die Dermatologie sehr viel zu tun bekommen“, sagte Verbandspräsident Reusch gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Er sorgt sich deshalb um ausreichenden fachärztlichen Nachwuchs. Die Suche nach Strategien, um ärztlichen Nachwuchs zu gewinnen, werde im Verband inzwischen als vordringlich eingestuft.

Reinhold Schlitt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema