ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2012Kinderbetreuung: Kitachaos

POLITIK: Kommentar

Kinderbetreuung: Kitachaos

Dtsch Arztebl 2012; 109(46): A-2281 / B-1859 / C-1823

Protschka, Johanna

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Johanna Protschka, Redaktion Deutsches Ärzteblatt
Johanna Protschka, Redaktion Deutsches Ärzteblatt

Wie für die meisten jungen Familien, ist es auch für junge Ärztinnen und Ärzte mit Kindern beim Berufs(wieder)einstieg enorm wichtig, ein familienfreundliches Arbeitsumfeld und eine bezahlbare, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung vorzufinden. Doch insbesondere die Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren ist das Ärgernis des Jahres. Der Deutsche Bundestag hat mit dem Kinderförderungsgesetz, das 2008 in Kraft trat, Eltern das Recht auf einen Kitaplatz für ihre Kinder ab einem Jahr eingeräumt. Der Bund erklärte sich in dem Gesetz bereit, die Ausbaukosten der Kitas mit mehreren Milliarden Euro mitzutragen. Ihr „gutes Recht“ können Eltern ab dem 1. August 2013 einklagen. Doch was soll da eigentlich eingeklagt werden, wenn es faktisch immer noch nicht genügend Kitaplätze gibt? Und was haben die Länder und Kommunen seit 2008 getan? Das Statistische Bundesamt veröffentlichte Anfang November die aktuellen Zahlen zur Kinderbetreuung im ganzen Bundesgebiet und stellte nüchtern fest: 220 000 Plätze fehlen noch. Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Kristina Schröder ging bislang „nur“ von 160 000 fehlenden Plätzen aus. Um das Chaos perfekt zu machen, winden sich die Kommunen und verlangen eine Aufweichung des Rechtsanspruchs, um eine „Klagewelle“ zu verhindern. Kaum jemand glaubt, dass der Bedarf an Kitaplätzen bis 2013 gedeckt werden kann. Doch es bringt ja alles nichts, wenn die arbeitswilligen Eltern ihre Kinder nicht gut betreut wissen. Wenn die öffentlichen Träger„versagen“, dann bleibt den Kliniken, die dringend medizinisches Fachpersonal benötigen, fast nichts anderes übrig, als einzuspringen. Neben familienfreundlichen Arbeitszeiten werden damit wohl zunehmend flexible und günstige Betreuungsplätze, die die Krankenhäuser zur Verfügung stellen, für junge Ärztinnen und Ärzte ein Auswahlkriterium für den Arbeitsplatz darstellen. Bisher verfügen zwölf Prozent der Krankenhäuser über Kitaplätze. Ein guter Ansatz, der aber auch noch ausbaufähig ist.

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