ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Neue GnRH-Antagonisten: Mehrere Substanzen in klinischen Studien

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Neue GnRH-Antagonisten: Mehrere Substanzen in klinischen Studien

Leinmüller, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mehr als 15 Jahre hat die Entwicklung gedauert: Drei verschiedene GnRH-Antagonisten sind in unterschiedlichen Phasen der klinischen Prüfung, zwei weitere in der präklinischen oder frühen klinischen Forschung. Mögliche Indikationsgebiete für diese Substanzen liegen in der Therapie sexualhormonabhängiger Tumoren und der Reproduktionsmedizin, wo sie wahrscheinlich zuerst eingesetzt werden.
Das Problem der früheren Substanzen lag in der begleitenden Histamin-Ausschüttung, die die Anwendung limitiert hat. In dieser Hinsicht stufte Professor Dr. Philippe Bouchard (Paris) die dritte Generation der Antagonisten als relativ sicher ein. Auch die Effizienz ist seiner Ansicht nach nicht mehr wesentlich zu verbessern. Beim 4. Interna-tionalen GnRH-Symposium in Genf konzedierte er, der Wirkmechanismus sei nicht völlig geklärt, relativ sicher handle es sich um eine Besetzung der Bindungsstelle, nicht um eine wirkliche Bindung.
Am weitesten fortgeschritten sind die Untersuchungen zu Cetrorelix®, das in Deutschland und Frankreich bei Pilotstudien im Rah-men von In-vitro-Fertilisationen nach verschiedenen Protokollen in unterschiedlichen Dosen klinisch getestet wird. In Phase I bis II befindet sich Ganirelix®, das wegen finanzieller Probleme bei Syntex nicht weiter beforscht worden war und jetzt von Akzo Nobel übernommen wurde. Azaline B werde ebenfalls in Phase I untersucht, überwiegend noch in der Präklinik sind jeweils ein Präparat von Hoechst und Abbott.
Klinisch zeigen sich die Antagonisten hinsichtlich der Gonadotropin-Suppression effizienter als die Agonisten, meinte Bouchard: Die Gonadotropin-Sekretion wird schnell und reversibel geblockt, wobei das luteinisierende Hormon (LH) nach kurzer Zeit bereits vollständig, das FSH erst nach einer Woche komplett unterdrückt ist. Bei Männern wurde ein vollständiges Erliegen der Spermiogenese dokumentiert.
Die Indikationen für die Antagonisten entsprechen denjenigen, bei denen bisher Agonisten eingesetzt werden – alle Situationen, die eine schnelle und reversible Blockade der Hypophysen-Gonaden-Achse erfordern: Reproduktionsmedizin, steroidhormonabhängige Tumoren sowie die Intervalltherapie bei Endometriose. Bouchard ließ jedoch keinen Zweifel daran, daß zumindest für die Krebstherapie langwirksame Formulierungen entwickelt werden müssen – was derzeit noch ein Problem darstellt. Hoffnungen setzen die Wissenschaftler nach der Klonierung des Rezeptors und der Entschlüsselung der Signalkette bis zum Zellkern auch auf "designer drugs" sowie auf ringförmige Substanzen, die dann eine orale oder transdermale Applikation erlauben könnten. Im Rahmen der kontrollierten ovariellen Stimulation erlauben die Antagonisten eine sehr viel feinere Manipulation als die Agonisten: Mit einer Einmalinjektion gelingt es, einen unerwünschten, vorzeitigen endogenen LH-Anstieg (und damit eine vorzeitige Eireifung und Ovulation) über vier Tage sicher zu verhindern – andererseits stoppen die Antagonisten aber auch einen bereits begonnenen LH-Anstieg. Dr. Renate Leinmüller
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote