ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2012Schach: Das Geheimnis der schwarzen Dame

SCHLUSSPUNKT

Schach: Das Geheimnis der schwarzen Dame

Dtsch Arztebl 2012; 109(47): [72]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Diese Spalte soll ein einziger Lobgesang werden. Auf die Deutschen und ihre Ärzte, auf das Schachspiel und auf die „Synthese“ beider, verkörpert durch Dr. med. Martin Schaefer. Fange ich also an:

„Ein unergründlich rätselhaftes Volk . . . Ein treues, kluges, aufmerksames Volk. Wenn ich krank war, machte mir die Hausfrau persönlich das Bett, schüttelte die Decke auf, klopfte das Kissen zurecht, machte mir Wickel, maß mir das Fieber, gab mir Lindenblütentee zu trinken und pflegte mich mit mütterlicher Hingabe und großem Sachverstand. Nur die deutschen Frauen wissen, wie man jemanden pflegt.

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Sie ließ auch den Arzt kommen. Die deutschen Ärzte haben nicht ihresgleichen. Noch der geringste nimmt es mit einem ausländischen Universitätsprofessor auf. Ihre vergissmeinnichtblauen Augen blicken verständnisvoll auf die Stirn des Fiebernden, so sachlich wie liebevoll.

Von ihren Medikamenten, die von den besten Arzneimittelfabriken der Welt in millionenfachen Varianten hergestellt werden, wird man schon gesund, wenn man sie nur anschaut. Ich sagte immer wieder, ich möchte nur unter Deutschen krank werden und sterben. Leben hingegen möchte ich, wenn möglich, anderswo: hier bei uns und in meiner Freizeit in Frankreich.“ So Deszö Kosztolányi in „Ein Held seiner Zeit. Die Bekenntnisse des Kornel Esti“, einer der großen Klassiker der ungarischen Literatur, als er Anfang des letzten Jahrhunderts in Deutschland lebte.

Springen wir zum nicht nur in Spanien populären Schriftsteller Arturo Pérez-Reverte. Er liebt das Schachspiel, welches für ihn auch Sinnbild von Leben und Tod ist und dementsprechend häufig in seinen Romanen auftaucht, am stärksten in „Das Geheimnis der schwarzen Dame“ (im Original „La tabla de Flandes“).

Geradezu mit Lust fährt er zu Schachturnieren: „Andere gehen in die Kirche, ich zum Schach. Auf Zehenspitzen, mit Demut und Ehrfurcht. Wie andere bei der Messe.“ Das erinnert mich an den amerikanischen Staatsmann und Erfinder Benjamin Franklin, der während seiner Pariser Jahre mit Vorliebe den Schachmeistern im „Café de la Régence“ zuschaute und meinte: „Das ist meine Oper.“

Doch bei Pérez-Reverte, der zwischen „Büchern und Schachspielern“ aufwuchs, wenn sein Vater sich mit Freunden bei Zigarrenrauch über das Brett beugte, und sich selbst als mittelmäßigen Schachspieler sieht, reicht die Faszination noch tiefer: „Das Schachspiel gab mir Trost, Gelassenheit und auf die unergründlichen und erschütternden Geheimnisse des Lebens Antworten, mit denen ich jetzt alt werde, mich durchs Leben taste und Romane schreibe.“

Nun sind Sie vielleicht gewappnet für die wunderschöne, allerdings schwer zu erkennende Opferkombination von Dr. med. Martin Schaefer vom letzten Ärzteturnier gegen Dr. med. Hans Unseld. Scheinbar hat sich Letzterer als Weißer untadelig aufgestellt, alles scheint gut gedeckt. Doch entdecken Sie mit Dr. Schaefer als Schwarzem das „Geheimnis der tief in die weißen Eingeweide eingedrungenen schwarzen Dame“ und denken Sie an den (Schach-)Leitspruch meines Klassenkameraden Dr. med. Norbert Knoblach aus Shakespeares Drama „Richard III.“: „Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!“ Oder hier noch besser: zwei Pferde.

Wie gewann Schwarz am Zug?

Lösung:

Nach dem Springeropfer 1. . . . Sf6-g4! auf das zweifach (!) gesicherte Feld g4 drohte das Damenmatt auf h2. Insofern 2. fxg4 Sxg4 3. Sxg4 Txf1+ 4. Dxf1 Txf1+ 5. Txf1 Dxg4 und durch den Doppelangriff der schwarzen Dame auf den Läufer g5 und den Springer e2 gewinnt Schwarz noch eine Figur mit siegbringendem Vorteil.

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