ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2012Aufwendungen für Theologiestudium für Ärzte nicht absetzbar

RECHTSREPORT

Aufwendungen für Theologiestudium für Ärzte nicht absetzbar

Dtsch Arztebl 2012; 109(47): A-2383 / B-1943 / C-1903

Berner, Barbara

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Aufwendungen für ein Studium der Theologie sind grundsätzlich nicht steuerrechtlich für einen Arzt abziehbar. Dies hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz entschieden.

Ein in einem Medizinischen Versorgungszentrum angestellter Facharzt für Nuklearmedizin hatte ein Theologiestudium begonnen, um seine Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit Patienten in lebensbedrohlichen Situationen zu verbessern. Gerade im Fachgebiet Nuklearmedizin ergäben sich häufig Situationen, in denen Patienten mit der Diagnose einer bösartigen Erkrankung konfrontiert seien, die einen lebensverändernden Einfluss hätten und die dann unmittelbar versorgt und betreut werden müssten. Es sei offensichtlich, dass die einfache ärztliche Kompetenz und die Tätigkeit nicht von einer allgemeinen Seelsorge/psychologischen Kompetenz zu trennen seien. Im Theologiestudium nehme die Vermittlung von Fertigkeiten in der existenziellen Kommunikation und Seelsorge eine wichtige Stellung ein. Daher ist der Kläger der Auffassung, dass er für sein Studium Werbekosten geltend machen kann.

Das beklagte Finanzamt hat entschieden, dass die Aufwendungen nicht als Werbekosten zu berücksichtigen sind. Dem hat sich das Finanzgericht angeschlossen. Werbekosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Werbekosten liegen dann vor, wenn sie durch den Beruf oder durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst worden sind. Insbesondere muss ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf bestehen, und die Aufwendungen müssen subjektiv zur Förderung des Berufs geleistet werden. Von einer nahezu ausschließlich beruflichen Veranlassung der Aufwendungen für die Teilnahme an persönlichkeitsbildenden Bildungsmaßnahmen kann bei Steuerpflichtigen, die einem entsprechenden Beruf nicht nachgehen, nur dann ausgegangen werden, wenn im Wesentlichen ein auf den konkreten Beruf zugeschnittenes Wissen vermittelt wird und der Teilnehmerkreis des Seminars entsprechend homogen zusammengesetzt ist. Im vorliegenden Fall möchte der Kläger kein fachliches Wissen erwerben und vertiefen, sondern Fähigkeiten erlangen, die zwar in der konkreten Ausübung seines Arztberufs besonders gefordert sind, aber auch in anderen Berufen und im zwischenmenschlichen Kontakt von Bedeutung sind. Bei den Vorlesungen zum Theologiestudium zeigt sich aus den Studienunterlagen, dass diese besonderen Kompetenzen, die der Kläger in Ausübung seines Berufs erlangen möchte, nämlich seelsorgerische/psychologische Kompetenzen im Vergleich zu den übrigen Themen des Theologiestudiums deutlich unterpräsentiert sind. Es fehlt somit an konkretem beruflichem Bezug. Es kann aber nach Auffassung des Gerichts ein Werbekostenabzug für die vom Kläger getätigten Aufwendungen in einem späteren Veranlagungszeitraum in Betracht kommen. Dies ist insbesondere dann möglich, wenn die Inhalte der besuchten Veranstaltungen einen konkreten Bezug zur ärztlichen Tätigkeit des Klägers ausweisen und sich auf die kommunikativen und seelsorgerischen Aspekte beziehen, die der Kläger in seiner Tätigkeit als Nuklearmediziner im Umgang mit Patienten nutzen will. Im Grundstudium sind diese Inhalte nicht vorhanden (Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 20. Juni 2012, Az.: 3 K 1240/10) RAin Barbara Berner

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