ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2012Colonia Dignidad: Ermittlungen gegen Sektenarzt dauern an

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Colonia Dignidad: Ermittlungen gegen Sektenarzt dauern an

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Gegen den Arzt der „Colonia Dignidad“ ermittelt die Krefelder Staatsanwaltschaft. Foto: dpa
Gegen den Arzt der „Colonia Dignidad“ ermittelt die Krefelder Staatsanwaltschaft. Foto: dpa

Obwohl die chilenische Justiz die Ermittlungen gegen Hartmut Hopp, den ehemaligen Arzt der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad, eingestellt hat, läuft das Verfahren in Deutschland weiter. Der Krefelder Oberstaatsanwalt Klaus Schreiber bestätigte, dass 20 mutmaßliche Opfer des Arztes vernommen wurden. Damit droht dem 68-jährigen nach wie vor eine Verurteilung. In Chile war ein paralleles Verfahren eingestellt worden, weil Deutschland deutsche Staatsbürger grundsätzlich nicht ausliefert und ein entsprechendes Gesuch negativ beschieden hat.

Der von Interpol gesuchte Hopp hatte sich 2011 nach Deutschland abgesetzt. Er entzog sich damit einer drohenden Haftstrafe in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch. Hopp wird vorgeworfen, Bewohner der Sektensiedlung über Jahre mit Psychopharmaka und anderen Medikamenten gefügig gemacht zu haben. Zudem soll er an der Ermordung von mindestens drei Widerstandskämpfern gegen die Militärdiktatur von Augusto Pinochet beteiligt gewesen sein.

Die Ermittlungen dauern Oberstaatsanwalt Schreiber zufolge an. Der zeitliche Abstand zu den mutmaßlichen Verbrechen und die mangelnde Auskunftsbereitschaft der chilenischen Behörden erschwerten die Arbeit. Die Aufnahme von Aussagen in Deutschland sei schwierig, weil die Zeugen zum Teil traumatisiert seien. hneu

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