ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2012Herkömmliche Tuberkulose-Tests versagen bei Kindern

AKTUELL: Akut

Herkömmliche Tuberkulose-Tests versagen bei Kindern

Dtsch Arztebl 2012; 109(47): A-2336 / B-1904 / C-1868

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die heute gängigen Tuberkulose-Tests versagen bei Kindern in neun von zehn Fällen. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die auf der 43. Weltkonferenz zur Lungengesundheit in Kuala Lumpur vorgestellt wurde. Bessere Diagnostika, die speziell für Kinder in Entwicklungsländern zur Anwendung kommen können, werden dringend benötigt. Denn das Alter spielt eine entscheidende Rolle für das Risiko, dass eine Tbc-Infektion zu einer Erkrankung führt. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder (< 5 Jahre) sind gefährdet für eine schnell fortschreitende, disseminierte und extrapulmonale Tbc-Erkrankung.

Im Rahmen der Studie wurden über einen Zeitraum von drei Jahren in 13 Projekten von Ärzte ohne Grenzen in sechs Ländern Daten von insgesamt 2 451 Kindern mit Tuberkulose erhoben. Nur 6,4 Prozent der Tbc-Fälle konnten mit der mikroskopischen Sputumuntersuchung, der heute am häufigsten verwendeten diagnostischen Methode, nachgewiesen werden. „Man kann davon ausgehen, dass viele Kinder durch das Raster fallen, schlicht weil die Krankheit nicht diagnostiziert wird. Dies führt zu unnötigen Todesfällen und Ansteckungen“, sagte Dr. Philipp du Cros, Tuberkulose-Experte von Ärzte ohne Grenzen. „Bezeichnend für diese traurige Realität ist, dass es bis letzten Monat kaum Daten zur globalen Verbreitung von Tuberkulose bei Kindern gab.“

Die Erkennungsrate von Tuberkulose bei Kindern ist so niedrig, weil Tbc bei ihnen zum einen häufig extrapulmonal auftritt und zum anderen im Sputum von Kindern häufig nur geringe Konzentrationen von Bakterien enthalten sind. Außerdem ist die Gewinnung von Sputum bei Kindern sehr schwierig. „Ärzte und Krankenschwestern sind gezwungen, invasive und schmerzvolle Maßnahmen anzuwenden“, erklärte Dr. Martina Casenghi, Spezialistin für Tuberkulose-Diagnostik bei Ärzte ohne Grenzen. „So muss Dampf in die Lungen eingeleitet werden, um die Kinder zum Abhusten von Sputum zu bringen, oder es muss Sputum aus dem Magen abgesaugt werden.“

Anzeige

„Es muss dringend ein Tuberkulose-Test speziell für Kinder entwickelt werden, der nicht auf der Analyse von Sputum beruht, sondern auf Proben wie Blut, Urin oder Stuhl, die leichter entnommen werden können“, sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Hier ist auch die Bundesregierung gefragt, entsprechende Forschungen stärker zu unterstützen.“ EB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema