ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2012Gesundheitswirtschaft: Dynamisches Wachstum

WIRTSCHAFT

Gesundheitswirtschaft: Dynamisches Wachstum

Dtsch Arztebl 2012; 109(48): A-2428 / B-1985

Fischer, Leo

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Die Deutschen sind gesundheitsbewusst und bereit, dafür mehr auszugeben. Foto: picture alliance
Die Deutschen sind gesundheitsbewusst und bereit, dafür mehr auszugeben. Foto: picture alliance

Mit drei Prozent jährlich sind die Umsätze der Gesundheitswirtschaft in der vergangenen Dekade deutlich stärker gestiegen als das Sozialprodukt.

Die Gesundheitswirtschaft ist mit 4,83 Millionen Arbeitnehmern (2010) wichtigster Beschäftigungszweig in Deutschland. Nimmt man die Bereiche Fitness und Wellness sowie den Gesundheitstourismus hinzu, so zählte die Branche bereits 2009 sogar 5,7 Millionen Beschäftigte. Die Gesundheitswirtschaft ist darüber hinaus ein starker und verlässlicher Wachstumspol, stellt die Deutsche Bank DB Research in einer aktuellen Studie fest. Mit durchschnittlich drei Prozent pro Jahr seien die Umsätze der Gesundheitswirtschaft in der vergangenen Dekade deutlich stärker gewachsen als das Sozialprodukt (nominal 1,9 Prozent pro Jahr). Sie sei damit auch ein kräftiger Motor für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Mittel- und längerfristig dürfte der deutsche Gesundheitsmarkt mit jährlich 3,5 Prozent sogar noch stärker expandieren als in den letzten zehn Jahren. Steigende Einkommen der Bürger, große Innovationspotenziale in wichtigen Sparten wie Medizintechnik und Pharmazie sowie die wachsende Anzahl älterer Menschen mit erhöhtem Bedarf an Gesundheitsdiensten seien die Hauptfaktoren für die grundsätzlich guten Perspektiven der Branche.

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Dabei sind nur die quantitativen, aber nicht die qualitativen Komponenten berücksichtigt. Die Branche trägt erheblich zur besseren Gesundheit der Bevölkerung bei und wirkt auf diese Weise auch produktivitäts- und wachstumsfördernd für die deutsche Wirtschaft.

Das hohe Umsatzplus seit 1992 verdankt die Gesundheitsbranche im Wesentlichen dem kräftigen Anstieg privater Ausgaben. Die Deutschen seien gesundheitsbewusst und bereit, dafür mehr auszugeben, heißt es in der Untersuchung der Deutschen Bank. Die Ausgaben der privaten Kran­ken­ver­siche­rung und der privaten Haushalte haben sich von 1992 bis 2010 mehr als verdoppelt (plus 129 beziehungsweise 125 Prozent). Auch die Beliebtheit von Fitnessstudios trägt zum Anstieg der privaten Gesundheitsausgaben bei. Fast 7,6 Millionen Mitglieder zählten die etwa 7 300 Fitnessstudios Ende 2011. Aber trotz des verstärkten privaten Engagements fließen in Deutschland nach wie vor mehr als drei Viertel der Gesundheitsausgaben durch staatliche Kassen. Die größere Dynamik ist für die Gesundheitswirtschaft auch künftig vor allem im privat finanzierten Bereich zu erwarten.

Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Die Gesundheitswirtschaft ist eine Hightechbranche, die an der Spitze des technischen Fortschritts steht. Weltweit investiere kein anderer Wirtschaftszweig außer der Datenverarbeitungs- und Elektronikindustrie so viel in Forschung und Entwicklung wie die Gesundheitsbranche, meinen die Analysten der Deutschen Bank. In Medizin, Medizintechnik und Pharmazie gebe es viele bedeutende Basisinnovationen, deren Potenzial noch keineswegs erschöpft sei.

Wachstumsdämpfend könnte sich allerdings der Strukturwandel in der Gesundheitswirtschaft auswirken. Wie auch in anderen Wirtschaftsbereichen werden die Fachkräfte älter, und der Nachwuchs droht knapp zu werden. Ärztemangel und Pflegenotstand heißen die Stichworte. Bei manchen Fachärzten (Hautärzten, Orthopäden) sind schon heute lange Wartezeiten üblich, die Krankenhäuser haben Probleme, Arztstellen zu besetzen, und die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist bereits große Lücken auf.

Der Anteil der über 60-jährigen Ärzte an den berufstätigen Ärzten hat sich seit 1994 auf 13 Prozent verdoppelt. Dabei steige der Bedarf an Ärzten aufgrund der alternden Bevölkerung und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach medizinischen Diensten. Und: Deutschland verliere viele Ärzte durch Abwanderung – im Durchschnitt der letzten fünf Jahre mehr als 2 900 pro Jahr. Die Zahl neuer in Deutschland tätiger ausländischer Ärzte kann die Lücke nicht schließen. Zunehmender Ärztemangel könnte die Wachstumsperspektiven der Gesundheitswirtschaft vor allem im nächsten Jahrzehnt eintrüben, wenn nicht gegengesteuert werde, heißt es in der Analyse. Die finanzielle Attraktivität ärztlicher Tätigkeit müsse verbessert werden, damit eine möglichst hohe Zahl an jungen Ärztinnen und Ärzten kurativ tätig bleibe.

Dr. Leo Fischer

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