GELDANLAGE

Börsebius: Titanic II

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Essenz vorweg: Vielen Schiffsfonds droht das Aus. Nachdem schon Tausende von Anlegern mit offenen Immobilienfonds ein Desaster erlebten, steht nun mit den Schiffsbeteiligungen ein ebenfalls sehr beliebtes Steuersparmodell auf der Kippe. Es kommen offenbar Milliardenverluste auf die Zeichner zu.

So kann es gehen, wenn Gelder eine sogenannte Fehlallokation erleiden, will heißen, da reingesteckt werden, wo eigentlich gar kein echter Markt ist. Genau das ist mit den ehemals hochgelobten Schiffsbeteiligungen passiert. Mit einem in der Welt einmaligen Geschäftsmodell wurde erst ein riesengroßes Angebot geschaffen, dem die Nachfrage in der Realität (einer schwächeren Konjunktur) nicht standhalten konnte. Die Geschichte dieses kapitalen Irrtums begann bereits in den 60er Jahren, als eines der vermeintlich genialsten Steuersparmodelle, kurioserweise gefördert von der SPD, seinen Anfang nahm.

Zeitweise konnte sich ein Anleger bis zu 300 Prozent Verlustzuweisung bei seiner persönlichen Einkommensteuer anrechnen lassen. Die Folge war so krass wie klar. Zum Teil finanzierten deutsche Anleger den Bau von gut 50 Prozent aller Kähne, die auf den Weltmärkten herumschipperten. Das Problem war nur, dass die Prognosemodelle in den Prospekten sinkende Frachtraten aufgrund schwächerer Konjunkturzyklen nicht oder nur unzureichend berücksichtigten. Ein vermeintliches Erfolgsmodell nahm so seinen Lauf, wer wollte nicht trefflich Steuern sparen. Da half es auch gar nichts, dass ich seit Jahren und von Anfang an gegen Schiffsbeteiligungen angeschrieben habe. Was willst du auch gegen die menschliche Gier groß ausrichten?

Nun fällt das Schiffsmodell offenbar in sich zusammen, nunmehr „gefördert“ von der Finanzmarktkrise und – natürlich – einer sich abschwächenden Weltkonjunktur. Zigtausende Schiffsfondsbeteiligte sitzen in einer fatalen Falle. Die Betriebskosten der Pötte werden durch die gesunkenen Frachtraten nicht mehr gedeckt, Zins- und Tilgungsleistungen liegen schon länger brach. Kein Wunder, dass immer mehr Anleger aufgefordert werden, Nachschüsse zu leisten.

Juristisch müssen Sie das in der Regel nicht, da sie normalerweise die Beteiligung als Kommanditist abgeschlossen haben, also demnach nur mit ihrer Einlage haften. Wird der Nachschuss aber nicht geleistet, drohen die Initiatoren in der Regel mit der Pleite und setzen somit den Anleger erst recht unter Druck. Erschwerend kommt hinzu, dass der Insolvenzverwalter auch noch die bereits geleisteten Ausschüttungen zurückfordern kann. Also doch nachschießen? Der Anleger möge sich genau überlegen, ob er dem schlechten Geld weiter gutes Geld hinterherwirft.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote