ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2012Ärztin im humanitären Auslandseinsatz: Die intensivste Zeit ihres Lebens

KULTUR

Ärztin im humanitären Auslandseinsatz: Die intensivste Zeit ihres Lebens

Dtsch Arztebl 2012; 109(48): A-2427 / B-1983 / C-1941

Gerst, Thomas

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Um meine Wunden zu lecken, verkrieche ich mich in meinem Office und weine, weine plötzlich über all die Kinder, jungen Frauen und Männer, die ich habe sterben sehen. Die letzten Monate haben zu viel Energie abgesaugt, ich bin wehrlos.“ Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen – Silke Bertram hat es nicht bereut, gemeinsam mit ihrem Ehemann und drei Kindern nach Papua-Neuguinea gegangen zu sein, um dort vier Jahre lang als Ärztin in einem Krankenhaus auf Karkar, einer kleinen Vulkaninsel im Pazifik, zu arbeiten. Sie hat ihre Erlebnisse auf der Insel in einem tagebuchartigen Bericht zusammengefasst, der vor allem deshalb bemerkenswert ist, weil er der fremden Kultur mit bemerkenswerter Unvoreingenommenheit begegnet, aber nicht unkritisch ist. Hier wird nichts ethnographisch schöngeredet, aber eben auch kein als überlegen erachteter zivilisatorischer Standpunkt eingenommen. „Ich habe viel gelernt von den Menschen dort, aber das schönste Geschenk ist eine ,grenzenlose’ Liebe zu den Menschen“, fasst Bertram abschließend das Erlebte zusammen. Die Rückschläge auf dem Weg dorthin werden nicht verschwiegen. Schwer zu ertragen ist es, dass Menschen sterben müssen, weil für uns selbstverständliche Versorgungsstrukturen nicht vorhanden sind. Manchmal nimmt die Verzweiflung überhand angesichts der Laisser-faire-Einstellung der Inselbevölkerung. Aber: Die Jahre auf Neuguinea seien für sie die intensivste Zeit ihres Lebens gewesen, die sie nicht missen möchte, schreibt Bertram.

Dieser Erlebnisbericht ist jeder Ärztin und jedem Arzt unbedingt zu empfehlen, die mit dem Gedanken spielen, sich für eine medizinische Hilfsaktion in weit entlegenen Regionen dieser Welt zur Verfügung zu stellen. Bertram lässt die ärztlichen Leser an ihrem Arbeitsalltag in einer vollkommen fremden Zivilisation teilhaben. Sie selbst bezeichnet ihre Darstellung als einen Versuch, einen realistischen Blick für diese Art Engagement zu vermitteln, ohne zu dramatisieren, aber auch ohne zu idealisieren. Das Buch soll dazu beitragen, dass die Arbeit in einem sogenannten Entwicklungsland nicht als Entbehrung, sondern als eine Bereicherung empfunden wird.

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Thomas Gerst

Silke Bertram: Im Puls Papuas. Wo ich meine Seele vergaß. Sidihoni-Verlag, Rottenburg a. N. 2012, 300 Seiten, kartoniert, 25 Euro. Direktbestellung über www.sidihoni.com oder telefonisch 07457 9463066

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