ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Retrospektive von Otto Piene: Tänze des Lichts

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Retrospektive von Otto Piene: Tänze des Lichts

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Als der mittlerweile legendäre Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela bei einer der Abendausstellungen (sie dauerten nur einen Abend!) im Atelier von Otto Piene die ersten Rasterbilder sah, formulierte er in seiner treffsicheren und lakonischen Art: "Doller Durchbruch!"


Klare Strukturen
Otto Piene (geboren 1928 in Laasphe/Westfalen) hat mit seinen Arbeiten die unruhige Zeit des künstlerischen Aufbruchs ab etwa 1957 entscheidend mitgeprägt. Ein großer Teil seiner künstlerischen Energie entfaltete sich in der "Zero"-Bewegung, die er zusammen mit Heinz Mack, bald darauf auch mit Günther Uecker initiiert hatte. "Zero" war die Antwort der damals jungen Generation auf das Informel der Nachkriegszeit, das nach großen Erfolgen in Wiederholungen und Beliebigkeiten zu entgleiten drohte. Mit seinen Rasterbildern setzte Piene dem Informel klare Strukturen entgegen, wobei die durchlöcherten Schablonen als Grundlage der Rasterbilder durchaus einen großen gestalterischen Spielraum gewährten. Später arbeitete Piene mit Rauch, ab Anfang der sechziger Jahre ließ er die Farben auf seinen Bildern brennen, verbrannte Farbpigmente und Schmauchspuren wurden zu zentralen Gestaltungselementen.
Aber Piene griff sehr viel weiter aus, seine Lichtballette eroberten den Raum – erstmalig öffentlich vorgeführt in der Galerie Schmela 1959. Noch größere Dimensionen hatten und haben seine "Sky events", fliegende, zum Teil beleuchtete Skulpturen am Himmel. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Piene damit spätestens seit seinem Olympia-Regenbogen anläßlich der Abschlußfeier der Olympischen Spiele in München 1972 bekannt.
Einen Einblick in das Werk von Otto Piene, der seit vielen Jahren vornehmlich in den USA lebt und am Center for Advanced Visual Studies in Cambridge/Massachusetts lehrte, gibt nun vom 24. Mai bis 12. August 1996 das Kunstmuseum Düsseldorf. Die Retrospektive wird von einem umfangreichen Katalog (Wienand-Verlag, Köln) begleitet, der auch die Projekte dokumentiert, die nicht ausgestellt werden können. Hartmut Kraft

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