ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Kreditsicherheiten: Irritierende Wertermittlung

BERUF

Kreditsicherheiten: Irritierende Wertermittlung

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): [90]

Vetter, Michael

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Was geschehen kann, wenn sowohl Hausbank als auch Kunde die gegenseitige Geschäftsverbindung eher beiläufig behandeln, zeigt dieser Praxisfall.

Es wäre Gustav J. wohl bis heute nicht aufgefallen, dass die Zinssätze sowohl seines Überziehungskredits auf dem Praxiskonto als auch seiner beiden variabel verzinsten Gebäudedarlehen während des vergangenen Jahres von seiner Hausbank zweimal erhöht wurden. Der Hinweis darauf kam von seinem Steuerberater, der einmal jährlich alle Bankkosten mit denen des jeweiligen Vorjahres vergleicht. Da J. in seiner Praxis in der glücklichen Lage ist, den Überziehungskredit nur minimal in Anspruch nehmen zu müssen, fielen diese Erhöhungen zunächst kaum ins Gewicht. Deutlicher wurde der Sachverhalt erst durch die zusätzlichen Darlehenszinsen.

Unbefriedigende Antwort

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Nach der ersten Überraschung – immerhin hätten die Kreditzinsen bei der Entwicklung der Zinssätze an den Geld- und Kapitalmärkten ja eigentlich sinken müssen – wandte sich J. an seinen Ansprechpartner beim Kreditinstitut. Dieser nannte ihm eine fast schon abenteuerliche Begründung. Danach hätte eine angebliche Neubewertung der Kreditsicherheiten von J. zu einer „Unterdeckung im Verhältnis zu den bereitgestellten Krediten geführt, die über eine Erhöhung der Kreditzinsen kompensiert worden sei“. Auf die Frage von J., warum er von diesem Sachverhalt nicht in Kenntnis gesetzt worden sei, konnte ihm der Bankmitarbeiter keine zufriedenstellende Antwort geben. Zaghafte Hinweise auf Kommunikationsprobleme durch „unterschiedlich damit befasste Abteilungen im Haus“ sowie „Wechsel bei den Beratern“ machten darüber hinaus deutlich, dass sein Ansprechpartner selbst nicht wusste, wie es zu der Informationspanne kommen konnte.

Nachdem sich bei J. der erste Zorn gelegt hatte, wurde ihm deutlich, dass auch er ein gewisses Maß an Mitverantwortung für diese Situation trug. Er konnte sich nämlich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal um seine bei verschiedenen Banken „verstreuten“ Kreditsicherheiten konkret gekümmert hat. Da J. seine Praxis seit mehr als 15 Jahren führt, in dieser Zeit mehr oder weniger regelmäßig auf Kredite angewiesen war und entsprechend viele Sicherheiten zur Verfügung stellen musste, ist dieses Versäumnis in der Tat nur schwer verständlich.

Als Sofortmaßnahme sah sich J. nun die Bankordner mit Kreditverträgen und Sicherheitsvereinbarungen an und versuchte, einen ersten Überblick über die Lage zu bekommen. Dabei traten Fakten zutage, von denen er selbst überrascht wurde. So bestanden noch, zumindest auf dem Papier, diverse Bürgschaften seines Vaters, der mit der Praxis längst nichts mehr zu tun hat, ebenso wie Sicherungsübereignungen von Teilen seiner Praxisausstattung, die es schon gar nicht mehr gibt. Hinzu kamen Abtretungen von Patientenforderungen, bei denen sich J. oft nicht einmal mehr an die Namen erinnern konnte. Darüber hinaus gibt es Grundschulden sowohl auf dem Praxisgrundstück als auch auf zwei Privatimmobilien, obwohl die damit zusammenhängenden Schulden in der Zwischenzeit fast vollständig zurückgezahlt wurden.

Sämtliche dieser Sicherheiten wurden im Übrigen Banken zur Verfügung gestellt, mit denen J. kaum mehr zu tun hat. Die einzige Bank, mit der er sowohl privat als auch geschäftlich fast sämtliche Umsätze abwickelt, ist das erwähnte Kreditinstitut, bei dem sowohl der Überziehungskredit als auch die beiden Baudarlehen geführt werden. Zur Absicherung dieser Verbindlichkeiten wurden sowohl eine Bürgschaft seiner Ehefrau als auch eine Grundschuld zur Verfügung gestellt. Grund für die Erhöhung seiner Kreditzinssätze ist nun offensichtlich eine Schlechterbewertung der Immobilie, mit der die Grundschuld belastet ist, durch seine Bank. Wie das Kreditinstitut zu dieser Neubewertung im Detail gekommen ist, wird J. in einem Gespräch mit dem Bankmitarbeiter noch erfahren. Klar ist nach seiner ersten Einschätzung aber, dass „Basel III“, also die sich ändernden Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute, als wesentlicher Grund für strengere Bewertungsmaßstäbe bankseitig herangezogen wurde. Offen bleibt aber zunächst dennoch die Frage, warum J. nicht rechtzeitig über die Hintergründe in Kenntnis gesetzt wurde.

Erforderliche Bereinigung

Als weitere wichtige Maßnahme wird J. sämtliche Banken anschreiben, denen er seinerzeit Kreditsicherheiten anbieten musste, und diese um eine Bestätigung bitten, dass sie keinerlei Rechte mehr aus diesen Sicherheiten herleiten. Die noch bestehenden älteren Darlehensverbindlichkeiten wird er, soweit dies die Verträge ermöglichen, kurzfristig zurückzahlen und danach ebenfalls um Freigabe der Grundschulden bitten. Darüber hinaus gibt es bei J. ab sofort eine Art „Sicherheitenregister“, in dem sämtliche Kreditsicherheiten detailliert nach Kreditgeber, Verwendungszweck, Laufzeit des jeweiligen Kredits sowie weiteren Details zu den Kreditbedingungen wie Zins- und Tilgungsleistungen aufgeführt sind.

Michael Vetter

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