ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Medizinisch-Wissenschaftliche Recherche: Google Scholar ist PubMed möglicherweise überlegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Medizinisch-Wissenschaftliche Recherche: Google Scholar ist PubMed möglicherweise überlegen

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2467 / B-2020 / C-1976

Heinzl, Susanne

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PubMed ist die am häufigsten verwendete kostenlose Plattform zur Suche nach medizinischer Literatur, seit 2004 gibt es zur kostenlosen Suche nach wissenschaftlicher Literatur auch Google Scholar. Die Suchergebnisse beider Dienste wurden anhand von klinischen Fragestellungen verglichen.

Mit PubMed kann in Medline gesucht werden, einem Archiv mit circa 5 000 biomedizinischen Zeitschriften. Google Scholar wurde als englischsprachige Betaversion von Google im Jahr 2004 zur Verfügung gestellt, seit 2006 ist die Suchmaschine auch in Deutsch verfügbar. Sie findet Informationen in verschiedenen elektronischen Quellen, wie Zeitschriften, Büchern, Abstracts, technischen Berichten oder Kongressberichten.

Relevanz und Qualität der Ergebnisse mit beiden Suchdiensten wurden anhand von vier klinischen Fragestellungen verglichen:

  • Reduzieren intrakardiale Defibrillatoren die Sterblichkeit bei Patienten mit nichtischämischer Kardiomyopathie?
  • Ist eine thrombolytische Therapie bei Patienten mit prothetischer Klappenthrombose wirksam?
  • Ist eine Hyperthyreose mit pulmonaler Hypertension assoziiert?
  • Führt eine ABIM(American Board of Internal Medicine)-Rezertifizierung zu einem verbesserten Patientenoutcome?

In Google Scholar wurden mit 2 790 bis 13 700 sehr viel mehr Artikel gefunden als in PubMed mit 14 bis 82. Für die Beurteilung von Relevanz und Qualität durch drei Begutachter wurden jeweils die ersten 20 Artikel ausgewählt. Vier Artikel waren mit beiden Suchmaschinen für Frage 1 und neun Artikel für Frage 3 gefunden worden. Für die Fragen 2 und 4 gab es keine Überlappungen. Die Reviewer waren sich in der Beurteilung der Relevanz der Beiträge weitgehend einig: Sie beurteilten 67 % der PubMed-Artikel und 80 % der Google-Scholar-Beiträge als möglicherweise relevant. Die Google-Scholar-Artikel waren im Median 34-mal zitiert, die PubMed-Beiträge 1,5-mal (p < 0,0001). Dies lässt sich zum Teil mit der Suchstrategie von Google Scholar erklären, eventuell auch damit, dass die Google-Scholar-Beiträge im Median älter waren. Der Journal-Impact-Faktor der Google-Scholar-Artikel lag bei 5,17, der der PubMed-Beiträge bei 3,55 (p = 0,036).

Google Scholar durchsucht ein sehr viel breiteres Spektrum an Literatur als PubMed. So sind viele eher naturwissenschaftlich ausgerichtete oder neuere und nichtamerikanische Zeitschriften häufig gar nicht in Medline gelistet, so dass schon deshalb kein optimales Suchergebnis erwartet werden kann. Aufgrund des kostenlosen und einfachen Zugangs wird aber PubMed sehr häufig eingesetzt, oft auch als Basis für systematische Reviews und Metaanalysen. Die ausschließliche Recherche über PubMed könnte möglicherweise das Ergebnis verzerren, meinen die Autoren.

Fazit: Ein Vergleich der Suchergebnisse ergab bei vier klinischen Fragestellungen, dass die mit Google Scholar gefundenen Artikel eher relevant, häufiger zitiert und in Zeitschriften mit höheren Impact-Faktoren publiziert waren als die über PubMed gefundenen Beiträge. Die Autoren empfehlen für die Recherche, in Google Scholar zumindest parallel zu PubMed zu suchen. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Nourbakhsh E, et al.: Medical literature searches: a comparison of PubMed and Google Scholar. Health Information and Libraries Journal 2012; 29: 214–22. MEDLINE

  • Recherche: Fragwürdig
    Dtsch Arztebl 2013; 110(9): A-390 / B-356 / C-356
    Boeker, Martin; Vach, Werner; Motschall, Edith

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