ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Was berufstätige Diabetiker beachten sollten

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Was berufstätige Diabetiker beachten sollten

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2444 / B-2000 / C-1956

EB

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Für viele Berufe ist der Diabetes mellitus, sei es Typ 1 oder Typ 2, an sich kein Hinderungsgrund für die Berufsausübung – eine gute Stoffwechsellage vorausgesetzt. Diabetiker sollten sich allerdings vor ihrer Berufswahl über ihre Rechte und Pflichten informieren. „Vor einem Bewerbungsgespräch sollte man sich auf mögliche Fragen zur persönlichen Gesundheit gut vorbereiten, am besten gemeinsam mit einem Diabetologen“, rät Martin Hadder, Landesvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes Nordrhein-Westfalen. Es bestehe zwar keine Verpflichtung, einen potenziellen Arbeitgeber über die Erkrankung zu informieren. Die Frage nach einer Schwerbehinderung müsse aber wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Wer jedoch Insulin spritzt und häufig an Unterzuckerungen leidet, sollte keinen Beruf ausüben, bei dem er sich selbst oder andere gefährden könnte – etwa als Bauarbeiter, Dachdecker, Bus- oder Taxifahrer. Auch Tätigkeiten mit wichtigen Überwachungsaufgaben wie in der Flugsicherung sowie Berufe, bei denen das Tragen einer Waffe Pflicht ist, sind für Menschen mit Diabetes ungeeignet. „In diesem Fall sollten junge Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 von vornherein einen anderen Beruf wählen und neu von Diabetes Betroffene, die bereits einen dieser Berufe ausüben, mit ihrem Arbeitgeber über ihre Erkrankung sprechen und sich von ihrem Arzt beraten lassen“, sagt Hadder.

Nach dem Schwerbehindertengesetz können Diabetiker bei den Versorgungsämtern ein Verfahren zur Feststellung des Grades der Behinderung einleiten. Dieser unterscheidet sich je nach Diabetestyp, Art der Behandlung, Einstellung der Stoffwechsellage und Einschnitten in der Lebensführung durch die Erkrankung. Personen, bei denen eine Schwerbehinderung festgestellt wird, können Nachteilsausgleiche geltend machen. Von besonderer Bedeutung für Schwerbehinderte sind die Auswirkungen der Behinderung auf den Arbeitsplatz oder das Berufsleben. Deshalb können sie auch hier Nachteilsausgleiche geltend machen.

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Schwerbehinderte Menschen haben beispielsweise Anspruch auf einen bezahlten zusätzlichen Urlaub und stehen außerdem unter einem besonderen Kündigungsschutz: Kündigungen des Arbeitgebers bedürfen der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes. Das Amt holt eine Stellungnahme des zuständigen Arbeitsamtes, des Betriebs- oder Personalrates und der Schwerbehindertenvertretung ein und hört den betroffenen Arbeitnehmer an, bevor es die Zustimmung erteilt. EB

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